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Beelink GT-King im Test: Android TV-Box als Nvidia Shield Killer?

Streaming-Boxen gibt es wie Sand am Meer. Ob nun Amazons Fire TV Stick, TV Cube oder auch Google Chromecast: Der Markt ist weit gefächert. Viele Geräte eignen sich für reines Streaming bestens. Wer jedoch Wert auf eine gute Spiele-Performance legte, kam bisher an Nvidias Shield TV kaum vorbei. Genau diese Zielgruppe visiert Beelink mit dem GT-King an. Unser Test verrät, ob hier eine wirklich königliche Performance dargeboten oder der Kunde nicht eher zum Narren gehalten wird.

Ersteindruck: Der Schädel wirkt edel

Geprägte, goldene Buchstaben und ein glänzender Totenschädel: Schon die Verpackung kann sich sehen lassen. Im Karton selbst stecken neben der TV-Box noch ein Stromkabel inkl. Steckdosen-Adapter, die Fernbedienung, ein HDMI-Kabel sowie eine sehr knappe Kurzanleitung in verschiedenen Sprachen. Des Weiteren liegt eine 8 GB Micro-SD-Karte bei, welche das auf Linux basierende Betriebssystem „CoreELEC“ beinhaltet. Richtig gelesen: Der Beelink GT-King ist ist Dual-OS fähig. Wie das genau funktioniert, wird auf einer kleinen, englischsprachigen Karte erklärt. In diesem Test konzentrieren wir uns jedoch auf die Android-Leistung.

Die Box selbst macht auf den ersten Blick eine wirklich gute Figur. Auf der Oberseite prangt der hochglänzende Totenkopf auf einer Oberfläche, die an gebürstetes Metall erinnert. Tatsächlich ist hier aber nur Kunststoff verarbeitet worden. Die Seiten sind in Pianolack-Optik gehalten, Staubpartikel und Fingerabdrücke dürften sich davon geradezu magisch angezogen fühlen. Auf der matt-gummierten Unterseite gibt es dann vier Standfüße, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Ein winziges Reset-Loch ist ebenfalls auszumachen.

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Bestens verarbeiteter Blickfänger: Beelinks GT-King präsentiert sich im Hands-On von seiner besten Seite

Auf die inneren Werte kommt es an

Im GT-King werkelt ein S922X Hexa-Core-Prozessor. Vier Kerne werden durch den ARM Cortex-A73 befeuert, die anderen beiden Kerne arbeiten mit dem ARM Cortex-A53. Getaktet wird mit bis zu 1,8 GHz. Die Grafikeinheit wird durch einen ARM Mali G52 realisiert, welcher mit bis zu 850 MHz taktet. Ermöglicht werden dadurch Auflösungen bis 4K bei 75 hz. Standardmäßig sind 4K @ 60 hz und HDR voreingestellt. Im etwas versteckten „Droid“-Menü kann man diese Einstellungen nach eigenem Geschmack konfigurieren.

Mit seinen 4 GB Arbeitsspeicher hebt sich das Gerät eindrucksvoll von den üblichen TV-Boxen ab, welche zumeist nur mit bis zu 3 GB LPDDR4 Speicher aufwarten können. Der interne Speicher von 64 GB lässt abzüglich systemrelevanter Dateien zirka 52 GB für Daten, Apps, Videos und mehr. Installiert ist das Android-Betriebssystem in der Version 9.0 (Pie), allerdings als Smartphone- und Tablet-Variante. Dazu später mehr. Ebenfalls ist zu beachten, dass hier ein 32-Bit-System vorliegt, Apps, welche 64-Bit voraussetzen, sind dementsprechend für das Gerät ungeeignet.

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Vielseitig: Die Streaming-Box bietet alle gängigen Anschlüsse

An Anschlüssen mangelt es übrigens nicht. Neben drei USB-Ports, finden sich Anschlüsse für HDMI 2.1, Ethernet (100 Gigabit), SPDIF sowie ein AV-Port an der Box wieder. Bluetooth und WLAN sind natürlich ebenfalls mit an Bord. Ein Micro-SD-Karten-Slot rundet das Ganze ab. Kurios: Einen dedizierten Power-Button gibt es nicht. Der GT-King wird nur über die Fernbedienung ein- und ausgeschaltet. Dabei sollte beachtet werden, dass sowohl das HDMI-CEC-Feature als auch die Airmouse-Funktion vor dem Ausschalten oder Standby-Betrieb deaktiviert werden sollten, da sich die Box ansonsten wie von Geisterhand selbst wieder einschaltet. Skynet entwickelt ein eigenes Bewusstsein. ;)

Der King lebt

Bei der ersten Inbetriebnahme fallen sofort die grün beleuchteten Augen des Totenkopfs auf. Diese setzen zwar optisch Akzente, sind allerdings nicht so hell, dass sie penetrant auffallen würden. Im Standby-Betrieb erleuchten die Glubscher dann sogar in einem dezenten Rot. Erneut werden Erinnerungen an den Terminator wach. Ist der Bootvorgang nach 20-30 Sekunden beendet, wird man mit einem Custom-Launcher von Beelink begrüßt. Diese Benutzeroberfläche ist recht altbacken gehalten. Zwar sind alle wichtigen Apps und Einstellungen vom Hauptmenü aus abrufbar, wirklich attraktiv sieht das aber nicht aus. Funktionabel, nicht fashionabel. Lobenswert am vorinstallierten Launcher ist jedoch ein Button, der den Arbeitsspeicher bereinigt und so die Performance auf Knopfdruck verbessert. Praktisch. Mit einem kurzen Besuch im Google Play Store kann man schnell einen alternativen Launcher seiner Wahl installieren, sollte einen die eher zweckdienliche Benutzeroberfläche abschrecken.

Die Bedienung im Menü funktioniert fix und für Android typisch einfach. Bei der App-Installation kam es jedoch vor, dass nach Vergabe der Rechte die Box zurück ins Hauptmenü gesprungen ist. Die betreffende App musste dann einmalig neu gestartet werden. Hier muss Beelink mittels eines Firmware-Updates nachbessern, sofern findige Hobby-Entwickler dies nicht bereits mit eigener Software ausgebügelt haben. Aktualisierungen werden vom Hersteller auf jeden Fall auch direkt geliefert. Die aktuelle Firmware wurde Ende März veröffentlicht. Angenehm fiel im Test auf, dass sich nahezu keine Bloatware auf dem Gerät befand. Neben einem File-Explorer ist noch eine Musik-App sowie ein eigener App-Markt vorinstalliert. Leider lassen sich diese Programme nur mit Root-Rechten deinstallieren. Nervig.

Spartanisch. Praktisch. Gut? Der Bee-Link-Launcher erfüllt seinen Zweck, gewinnt aber keinen Schönheitspreis.

Die erste, größere Enttäuschung stellt die Fernbedienung dar. Zwar sind die Druckkpunkte der Knöpfe schön knackig, gleichzeitig aber auch etwas schwergängig. Dazu ist die Fernbedienung recht klein gehalten. Weil die Tasten alle auf einer Höhe und ohne Abstand zueinander positioniert sind, ist es schwer, die Knöpfe bei Dunkelheit zu bedienen. Das größte Problem jedoch ist die Airmouse-Funktion, welche fummelig und ungenau navigiert. Für kleinere Einsätze vielleicht noch zu gebrauchen, sollte man für die Bedienung größtenteils mit den normalen Navigationstasten Vorlieb nehmen. Die Airmouse lässt sich dazu auf Knopfdruck deaktivieren. Rechts neben dem Power-Button ist ein kleines Loch auf der Fernbedienung zu finden. Dahinter verbirgt sich das Mikrofon, denn hier kann auch mittels Voice-Control gesteuert werden. Zu erwähnen ist noch, dass die Fernbedienung über einen eigenen USB-Empfänger verfügt. Von den drei USB-Anschlüssen hat man damit effektiv nur zwei zur weiteren Verfügung. Mittels USB-Hub kann man hier jedoch Abhilfe schaffen.

Wer eine echte Maussteuerung bevorzugt, darf aufatmen: Im Test ließen sich sowohl Mäuse als auch Tastaturen problemlos über Bluetooth und USB-Wireless-Adapter verbinden. Damit ist die Bedienung gleich viel direkter. Auch der XBox-One-Controller wurde mühelos mittels Bluetooth erkannt und konnte in allen Spielen, Apps und im Hauptmenü verwendet werden. Das Gleiche war bei normalen Controllern mit X-Input-Standard der Fall. Was die Abdeckung von Eingabegeräten anbelangt, gibt sich die Android-Box also nicht die Blöße und überzeugt auf ganzer Linie.

Wie bereits erwähnt, wird hier eine für Tablets und Smartphones optimierte Android-Version 9.0 aufgefahren. Wer auf „Android TV“ und dem damit verbundenen Look gehofft hatte, sieht zunächst schwarz. Im Internet gibt es allerdings bereits Tutorials und Firmware-Updates, welche eine Nutzung des für TV-Geräte optimierten Betriebssystems ermöglichen. Ansonsten ist der Google Play Store voll mit alternativen Launchern in ähnlicher Optik.

Ganz groß in Sachen Gaming & Emulation

Bei der durchaus potenten Hardware dürfte es niemanden verwundern, dass alle Retro-Systeme bis 16-Bit (NES, SNES, Mega Drive etc.) absolut mühelos und perfekt emuliert werden. Auch Arcade-Spiele, Neo-Geo- und MAME-Titel laufen über entsprechende Emulatoren reibungslos. Da 2D-Grafiken die Hardware also eher zum Gähnen bringen, wollen wir unseren Fokus auf 3D-Spiele und Emulation bis zur 128-Bit-Ära lenken.

Schauen wir uns Segas Dreamcast an, lässt das Gerät schon eindrucksvoll die Muskeln spielen. Mittels Redream-Emulator wurden Spiele wie „Jet Set Radio“, „Soul Calibur“, „Tony Hawk’s Pro Skater 2“, „Shenmue“ und „Power Stone“ getestet. Alles lief makellos und auf durchweg stabilen 60 FPS. Der XBox-One-Controller wurde automatisch erkannt und bereits korrekt vorkonfiguriert. Besser geht’s nicht.

Akkurate Optik bei stabilen 60 FPS: Für Retro-Liebhaber wird eine tolle Leistung geboten (Bild: „Soul Calibur“, Sega Dreamcast)

Die Sony PlayStation mit ihren betagten 32-Bit langweilt das System dann völlig. Egal ob „Crash Bandicoot“, „Soul Blade“, „Need For Speed: Hot Pursuit“ oder „Tekken 3“ – die Emulation ist stets makellos. Sonys PSP wird ebenso gut emuliert, auch wenn die Ergebnisse hier stark variieren. Liefen „Tekken: Dark Resurrection“, „Loco Roco“ und „NBA 2005“ nahezu butterweich, so mussten bei anderen Titeln leichte Einbußen verzeichnet werden. Sehr aufwändige Spiele wie „God of War“ bringen auch dieses System ins Schwitzen. Kein Wunder, gilt der Titel doch als einer der am schwierigsten zu emulierenden Games.  Insgesamt ist die PSP-Performance aber gut und kann notfalls durch Anpassen der Settings optimiert werden. Je nach Titel war auch ein Upscaling von 2x und mehr bei 60 FPS möglich.

Das Nintendo 64 hinterließ ebenfalls einen guten Eindruck. Titel wie „Super Mario 64“, „Mario Kart 64“ oder „Diddy Kong Racing“ liefen sehr stabil und wurden sauber emuliert. Bei den üblichen Verdächtigen wie „Goldeneye“ und „Conker’s Bad Fur Day“ kam es zu den gewohnten Framedrops, wie es schon auf der Original-Hardware der Fall war. Diese Titel sind allgemein schwierig zu emulieren.

Schauen wir uns zuletzt noch native Android-Games an. Titel wie „Grand Theft Auto: Vice City Stories“, „Crazy Taxi“, „Real Racing 3“ oder auch „Asphalt“ liefen sehr stabil und äußerst flüssig. Größere Ruckler oder sonstige Probleme traten nicht auf. „PUBG“ ist auf höchsten Einstellungen gut spielbar, auch wenn die FPS nicht kontinuierlich bei 60 Bildern liegen. Wahlweise können hier andere Grafik-Presets zum Erfolg führen. Aktuelle Android-Titel sind mit dem GT-King insgesamt überhaupt kein Problem. Da können weder Amazons Fire Stick noch andere Vertreter im mittleren Preissegment mithalten.

Info: Die beliebten Emu-Frontends DIG und RetroArch arbeiteten problemlos. Entsprechende Android-Versionen findet man im Play Store.

Benchmarks

Für weitere Testergebnisse sollte eigentlich der beliebte AnTuTu-Benchmark zum Einsatz kommen, doch leider brach die Software beim 3D-Test „Terracotta“ immer wieder ab. Andere Tester konnten Ergebnisse um die 110.000 Punkte erzielen. Da wir in diesem Test mit eigenen Ergebnissen arbeiten wollen, weichen wir auf 3DMark und PCMark aus. Im „Sling Shot Extreme“-Test von 3DMark kommt die TV-Box auf 1.152 Punkte und ist damit performanter als 37 Prozent aller getesteten Geräte. Die weniger extreme Version von „Sling Shot“ lässt den GT-King dann 1.551 Punkte erreichen und damit übertrumpft die Hardware sogar 63 Prozent aller Testergebnisse. Nvidias Shield TV liegt hier mit rund 4.700 Punkten allerdings unerreichbar weit vorne. Im CPU-orientierten Benchmark „Work 2.0“ von PCMark werden dann respektable 6.072 Punkte erzielt. Zum Vergleich: Amazons 4K Fire Stick 3 erreicht 3880 Punkte und arbeitet damit rund 40 Prozent langsamer.

Die Ergebnisse in Bildern:

Streaming & Multimedia

Zunächst das Positive: MKV und sonstige Videoformate können bis 4K und 60 FPS ruckelfrei wiedergegeben werden. HDR-Material ist ebenso kompatibel. Das Anschließen einer externen USB-Festplatte sowie normaler USB-Sticks funktionierte schnell und problemlos. Auch der Betrieb mit der beliebten Software KODI verlief reibungslos. Die YouTube-Version aus dem Android-Store, welche hier installiert werden kann, gibt Videos bis 1080p und auch in HDR wieder. Das Surfen im Internet sowie die Bedienung des Browsers gehen flüssig von der Hand. Wer den Standard-Browser nicht mag, kann Chrome, Opera und co. nachrüsten.

Das waren allerdings schon die positiven Aspekte in dieser Disziplin. Leider schwächelt der GT-King absurderweise gerade beim Streaming. Die Apps von Netflix und Amazon Prime müssen über den Beelink-App-Markt geladen werden, die regulären Varianten aus dem Play Store scheinen nicht kompatibel zu sein. Nach der Installation liegt das Material auf Netflix und Amazon Prime nur in SD Qualität vor. Das mag für die interessant sein, welche z. B. auf Netflix den Standard-Tarif gebucht haben, alle anderen schauen qualitativ dafür in die Röhre. Wer Streaming in HD oder 4K möchte, der wird mit diesem Gerät noch nicht glücklich. Entsprechende Ausweichmöglichkeiten gibt es bereits ab 30€, dann aber ohne überzeugende Gaming-Leistung. Ob über offizielle oder inoffizielle Firmware-Updates ein entsprechender Support gegeben werden kann, ist aktuell unklar.

Fazit

Es dürfte niemanden überraschen: Am Ende wird Nvidias Shield TV nicht vom Thron gestoßen. Trotzdem liefert Beelink für rund 100 € eine respektable Performance ab und entpuppt sich als wirklicher Geheimtipp. Leistungstechnisch liegt man in vielen Benchmarks zwar klar hinter Nvidias Flaggschiff, aber immer noch vor der Konkurrenz von Amazon und co. Damit positioniert sich der „GT-King“ klar als eine der leistungsstärksten Multimedia-Boxen überhaupt. Nahezu alle Spiele und auch Emulatoren liefen im Test sauber und stets flüssig. Damit ist dieses Stück Hardware eine klare Empfehlung für jeden, dessen Herz für Android-Games und Retro-Emulation schlägt. Schade, dass das Gerät gerade beim Streaming schwächelt, dies verhindert letztendlich auch eine höhere Bewertung.

Bewertung

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Beelink GT-King
Betriebssystem: Android 9.0
CPU: Amlogic S922X 1,8 GHz, Quad-Core ARM Cortex-A73 & Dual-Core ARM Cortex-A53
GPU: ARM Mali G52 bis 850 MHz
RAM: 4 GB LPDDR4
Speicher: 64 GB, erweiterbar über Micro-SD
Videoausgabe: bis 4K @ 75 hz
Anschlüsse: 2x USB 3.0, 1x USB 2.0, HDMI 2.1, LAN (Gigabit), AV-Out, MicroSD-Slot, SPDIF
Features: Video, Streaming, Musik, E-Book, Airmouse Fernbedienung mit Voice Control, Bluetooth, 2,4 GHz + 5,8 GHz Dual-WiFi-Antenne
Lieferumfang: TV-Box, HDMI-Kabel, Netzkabel mit Adapter, Fernbedienung, 8 GB Micro-SD-Karte (Core Elec OS), Kurzanleitung
Maße: 10,8 x 10,8 x 1,53 cm
Gewicht: 190g
Preis: ca. 99 Euro

Autor: Sebastian Narkus

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