Defekte Blu-ray zerstört defekte Filme kaputte DVDs
CineCheck, [Artikel]

Das Sterben der Scheibe: Warum Blu-ray-Fans jetzt um ihre Sammlung fürchten müssen

Das Sammeln physischer Medien hat im Vergleich zum Streaming auch heute noch entscheidende Vorteile: Die Filme verbleiben dauerhaft in der heimischen Sammlung, qualitativ liegt die beste Version vor und auch bei einem Internetausfall ist man stets auf der sicheren Seite. Griff ins Regal und Disc in den Player – alles problemlos. Oder doch nicht? Immer wieder berichten Blu-ray-Sammler über den Totalausfall geliebter Filmschätze. Wir erklären euch ganz genau, was es damit auf sich hat und welche Scheiben ihr dringend überprüfen solltet.

Update: Lest auch den Follow-up-Artikel, in dem die Label Stellung beziehen:

https://cinemediatech.wordpress.com/2020/08/28/blu-ray-nicht-abspielbar-reklamation-defekter-discs/

50 Jahre Lebenserwartung, eine wunderschöne PR-Blase

Die Blu-ray versprach bei ihrem Erscheinen eine deutliche qualitative Steigerung zur DVD. So lag das Bild erstmals in hochauflösendem 1080p High Definition vor und die Tonspuren wurden um Dolby True HD, DTS-HD und andere Soundtechniken erweitert. Durch den enormen Zugewinn an Speicherplatz war es nun zudem möglich, deutlich mehr Bonusmaterial auf eine Scheibe zu pressen. Auch Serienfans durften aufatmen, denn da nun mehr Folgen Platz auf einer Scheibe fanden, mussten die Discs seltener gewechselt werden. Den Heimkinofreunden gefiel das alles und bald konnte sich die Blu-ray im Kampf gegen die HD-DVD durchsetzen. Mit einer angeblichen Lebenszeit von 30-50 Jahren schien die Blu-ray darüber hinaus auch ein langlebiges Format zu sein. Leider müssen nun immer mehr Sammler feststellen, dass dies anscheinend ganz und gar nicht der Fall ist.

Welche Filme sind betroffen und wie erkennt ihr defekte Discs?

Seit ein paar Jahren wird in diversen Internetforen über den voranschreitenden Tod einiger Blu-rays berichtet. Dabei gibt es einige Überschneidungen, manche Titel werden also immer wieder genannt. Es haben sich dabei eine Handvoll Anhaltspunkte herauskristallisiert, um besser einschätzen zu können, bei welchen Blu-rays eine baldige Überprüfung angeraten ist.

Vor allem Erstauflagen aus den Jahren 2008-2012 sind gefährdet. Aber auch darüber hinaus wird vereinzelt von Problemen berichtet. Wiederholt fallen dabei Blu-rays der Label Universal, Sony, Universum Film, EuroVideo, Kinowelt und Concorde auf. Wenn also bestimmte Discs partout nicht mehr laufen wollen, sich Verpixelungen und sonstige Artefakte bemerkbar machen oder die Filme zu stottern beginnen, obwohl die Scheiben selbst makellos sind, naht vielleicht der unausweichliche Totalausfall. Werden die Blu-rays dann mittels PC eingelesen, kann es vorkommen, dass die Discs nicht mehr als Film-Blu-rays, sondern als Daten-Discs erkannt werden. Ein Zugriff ist dann im schlimmsten Fall nicht mehr möglich.

Besonders folgende Filme sollten von Sammlern genauer unter die Lupe genommen werden:

„Crank“
„Crank 2 – High Voltage“
„Das fünfte Element“
„Death Proof“

„Der weiße Hai“
„Die Verurteilten“
„Fight Club“
„Gladiator“
„Inglourious Basterds“
„Iron Man“
„Iron Man 2“
„Kong: Skull Island“

„Léon – Der Profi“
„Reservoir Dogs“
„Scarface“
„Sleepy Hollow“
„Shutter Island“
„Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“
„Todeszug nach Yuma“
„Transformers: Die Rache“
„Zurück in die Zukunft III“

u.v.m.

Schlafet süß, ihr blauen Prinzen

Und tatsächlich: Im Test machte sich schnell Ernüchterung breit, denn die Discs von „Iron Man“, „Die Verurteilten“, „Reservoir Dogs“ und „Shutter Island“ konnten nicht mehr wiedergegeben werden. Die Filme ließen sich weder mit einem Blu-ray-Player aus dem Hause Samsung noch mit XBox One oder PlayStation 3 abspielen. Dabei konnte nicht mal mehr das Hauptmenü aufgerufen werden. Nach ein paar Leseversuchen wurde die Wiedergabe der Discs abgebrochen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Filme über die Jahre nur wenige Male abgespielt worden sind und die Scheiben selbst absolut neuwertig sowie kratzerfrei waren. Derartige Ausfälle dürften besonders für jene Sammler ärgerlich sein, welche sich in der Vergangenheit für viel Geld gebrauchte Blu-rays kauften, die lange Zeit vergriffen (out of print) waren und nicht nachproduziert wurden. So ging die Erstauflage von „Sleepy Hollow“ zeitweise für 50€ aufwärts über den virtuellen Ladentisch. Kürzlich ist immerhin eine Neuauflage zu einem erschwinglichen Preis erschienen. Ein kleiner Trost, welcher über den finanziellen Schaden aber kaum hinwegtrösten kann.

Defekte Blu-rays kaputte Filme
Starben still und heimlich: Im Test wurde klar, dass diese Scheiben keinen Mucks mehr von sich geben (Quelle: Universum Film, EuroVideo, Concorde)

Was sind die Gründe?

Hier kann nur gemutmaßt werden. Hinlänglich wird von fehlerhaften Pressungen ausgegangen. Viele User vermuten, dass es sich dabei nur um gezielte Chargen und Auflagen aus bestimmten Presswerken handelt. Dies wurde anhand diverser Analysen festgestellt. Dabei wurden besonders die Nummerierungen am Innenring defekter Scheiben abgeglichen, welche genauere Auskünfte über die Pressung verrieten. Auch die über die Jahre mehrfach aktualisierte Firmware vieler Geräte könnte kurioserweise für die Wiedergabeprobleme verantwortlich sein. Es wird weiter davon ausgegangen, dass bei diesen Auflagen nur eine Lebenszeit von rund zehn Jahren zu erwarten ist. Neuere Pressungen nach 2012 scheinen seltener betroffen zu sein, könnten in den kommenden Jahren aber durchaus ebenfalls zu Ausfällen neigen. Aktuell ist somit eine Erstauflage von „Fight Club“ aus dem Jahr 2008 betroffen, während spätere Auflagen sich noch bester Gesundheit erfreuen. Zerstörte Film-Discs sind übrigens keineswegs etwas Neues: Bereits in der DVD-Ära beklagte so mancher Fan defekte Scheiben. So z. B. eine frühere Auflage der „Lethal Weapon“-Reihe, bei der die Weichmacher im Kunststoff der DVD-Hülle die Discs mit einer milchig-glasigen Schicht überzogen. Dieser chemische Prozess dauerte einige Zeit und war vermehrt bei DVDs aus dem Hause Warner zu beobachten.

Was könnt ihr tun?

Eine baldige Überprüfung der erwähnten Blu-rays ist ratsam. Dabei sollte versucht werden, die Filme im Schnelldurchlauf komplett durchzuspielen. Bei Hängern oder einem kompletten Stillstand ist Achtung geboten. Das Ende kündigt sich auf diese Weise an. Die Rechteinhaber selbst scheinen die Problematik zu kennen, denn bisher haben bereits Käufer ihre Erfahrungen an die Hersteller herangetragen. Es ist also angeraten, die Label direkt anzuschreiben und auf eine Austausch-Disc zu bestehen. Leider reagiert hier jedes Unternehmen anders und es wird vermehrt darüber berichtet, dass auf manche Anfragen überhaupt nicht eingegangen wird. Es kann auch vorkommen, dass damalige Label heute nicht mehr Rechteinhaber der Filme sind und jegliche Verantwortung von sich weisen. Klappt die Reklamation jedoch reibungslos, wird die fehlerhafte Disc in der Regel eingeschickt und nach Überprüfung geht dann eine Austausch-Disc in den Versand. Diese Prozedur kann jedoch einige Wochen andauern.

Es ist davon abzuraten, die Blu-rays auf eigene Faust auszutauschen, indem man gebrauchte Discs auf Ebay ersteigert, da die gleichen Auflagen ebenfalls fehlerbehaftet sein könnten. Laut einiger Nutzer sind selbst originalverschweißte Filme nicht vor Ausfällen verschont geblieben. Die Kontaktaufnahme mit dem entsprechenden Label ist also die beste Herangehensweise und hilft zudem, die Angelegenheit weiter in den Fokus zu rücken und die Vertreiber selbst in die Verantwortung zu nehmen. Solange das Problem nur in Foren diskutiert wird, bleibt die größere Aufmerksamkeit leider aus. Auch ist davon auszugehen, dass es früher oder später keine Austausch-Discs mehr geben wird, denn der Markt für physische Datenträger schrumpft durch Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime immer weiter. Jeder Filmfan sollte also möglichst zeitnah reagieren, bevor so manche filmische Kostbarkeit irgendwann unersetzbar einen leisen Tod stirbt.

In unserem Fall haben wir EuroVideo, Universum Film sowie Concorde angeschrieben und den Sachverhalt geschildert.

Hier geht es zum Follow-up-Artikel:

https://cinemediatech.wordpress.com/2020/08/28/blu-ray-nicht-abspielbar-reklamation-defekter-discs/

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Autor: Sebastian Narkus
Bildmaterial: Universum Film, Universal, Concorde, Kinowelt, EuroVideo, Sony, Warner

3 Gedanken zu „Das Sterben der Scheibe: Warum Blu-ray-Fans jetzt um ihre Sammlung fürchten müssen“

    1. Hey, danke für dein Feedback. Bei DVDs habe ich bisher eher positive Erfahrungen gemacht. Selbst 15 Jahre alte, gebrannte Datendiscs laufen noch reibungslos. Es kann natürlich nicht schaden, trotzdem mal reinzuschauen. Wie im Artikel erwähnt, gibt es ja leider auch viele DVDs, bei denen die Unterseite „verschleimt“ wurde durch die Weichmacher der Hülle. Drücke die Daumen, dass es keine Verluste zu beklagen gibt. ;)

      Gefällt 1 Person

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