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„Ash vs Evil Dead“ nach Staffel 3 abgesetzt: Abgesang auf den Andersartigen

Mittlerweile wurde vom Starz-Network offiziell bestätigt, dass „Ash vs Evil Dead“ nach der dritten Staffel nicht mehr weitergeführt wird. Grund sollen die mäßigen Quoten sein. Im Vergleich zum Serienstart ist der Zuschauer um 60 Prozent Das betrübt zwei Seelen in mir. Zum einen nervt es den Horrorfilmfan, der die „Evil Dead“-Reihe als einer der abwechslungsreichsten und kreativsten Outputs des Genres empfindet. Zum anderen ist der Serienfan in mir beleidigt, der sich fragt, was an anderen Vertretern wie „The Walking Dead“ so großartig sein soll, dass diese ewig weiterlaufen dürfen. Was ist aus der Horrorfanbase geworden?

Ist der Kultstatus der „Evil Dead“-Reihe bereits erloschen? Haben sich die Zeiten so geändert, dass selbst eine Ikone des Horrorfilms nicht mehr zieht? Fragen, auf die ich keine Antwort habe. Was ich allerdings weiß, ist die Tatsache, dass ein großer Teil anscheinend wöchentlich lieber die immer gleiche in Grauschleierbilder getauchte Zombie-Seifenoper sehen will. Überraschungen und unterschiedliche stilistische Ansätze, wie sie bei der Serienumsetzung von „Tanz der Teufel“ in jeder Staffel zu sehen sind, scheinen weniger interessant. Das ist eine verdammte Schande. Ich fange gar nicht mit den kreativen Möglichkeiten an, die die vielseitigen Deadites im Vergleich zu den tumben Zombiehorden bieten. „The Walking Dead“ setzt seine Gefahr als gesichtslosen Effekt ein, der tausendfach reproduziert wird. „Ash vs Evil Dead“ hingegen setzt seine Monster als wirkliches Highlight ein, das mehr als nur Staffage ist und sogar auf der psychologischen Ebene mit den Opfern spielen darf. What’s not to like?

Ich will damit niemanden verurteilen, der „The Walking Dead“ liebt. Ich selbst habe die Serie interessiert bis zur fünften Staffel verfolgt. Enttäuscht bin ich dennoch ein wenig. Vielleicht war das Starz-Network auch nicht der richtige Ort für das „Evil Dead“ Franchise. Bei Netflix oder HBO wäre man sicherlich erfolgreicher gefahren. Aber am Ende kann man dankbar sein, dass Starz überhaupt den Mut hatte, das Franchise zu revitalisieren. Oder lag der Misserfolg am Ende daran, dass Ash Williams und seine ewigen Erzfeinde einfach nicht massenkompatibel genug waren? Der Humor war in der Filmreihe schon immer grenzwertig, bösartig und blieb im Halse stecken. Selbst mir als eingefleischtem Fan blieb in der Serie manchmal die Spucke weg. Gerade dieses grotesk-schwerverdauliche Spiel mit dem Spaß am Sterben dürfte auch einige Zuschauer vergrault haben. Und ohnehin ist Ash ein Antiheld, dazu noch ein Sonderling, ein Andersartiger.

Es scheint mir dennoch unbegreiflich, wie eine der beliebtesten und bekanntesten Horrorkultreihen in Serie geht, dabei die Essenz des Quellmaterials perfekt einfängt und trotzdem scheitert. „Ash vs Evil Dead“ hat nicht nur thematisch und atmosphärisch immer die verschiedenen Facetten der Filmreihe betont, sondern dies sogar durch die Figuren unterstrichen. Kelly & Pablo waren in jedem Fall sinnvolle Sidekicks, weil sie die Charakterzüge des Protagonisten jederzeit perfekt unterstrichen haben. Kelly, das war die toughe, arrogante Seite von Ash, die die Dinge oftmals unter Kontrolle bringt und mit einem trockenen Spruch garnierte. Pablo hingegen personifizierte die dämliche, tollpatschige Seite an Ash eindrucksvoll. Der Mann, der keine zwei Meter laufen kann, ohne in eine geradezu grenzdebile Slapsticksituation zu gelangen, die die Lachmuskeln der Zuschauer strapazierten. Und genau das machte Ash Williams zu einem Fan- Favourite: Er ist das liebenswerte Arschloch in Perfektion.

Leider wollte oder konnte das Publikum die Liebe zur Figur nicht entsprechend rüberbringen, sodass es sich finanziell gelohnt hätte. Damit verabschiedet sich wieder einmal eine großartige Serie nach der dritten Staffel. „Hannibal“ wird ja ebenfalls schmerzlichst vermisst. Zwei Horrorlegenden vereint im Abschied. Bleibt am Ende nur zu hoffen, dass die Produktion der letzten Staffel von „Ash vs Evil Dead“ auch im Geiste einer Absetzung konzipiert wurde. Dabei geht es nicht so sehr um einen runden Abschluss, den hat das Quellmaterial ohnehin nie geliefert, vielmehr möchte ich spüren, dass sich die Verantwortlichen versöhnlich von dem geliebten Franchise verabschieden konnten. Und der geneigte Fan sollte ohnehin nicht verbittert sein. Wer hätte schon gedacht, dass eine Kultfigur, die das letzte Mal im Jahr 1992 die große Bühne betrat, 25 Jahre später überhaupt nochmal eine derartige Relevanz erfährt? Mit drei Staffeln war es kein langer Tanz, aber es war durch und durch ein Tanz mit den Teufeln, die wir schätzen und lieben gelernt haben.

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