PlayCheck, [Artikel], [Spieletest]

„Mad Max“ (PC) im PlayCheck: What is the soul of a man?

Erstveröffentlichung: 3. September 2015 auf Amazon

Für einigen Wirbel sorgte George Miller, der vor kurzem Tom Hardy auf eine postapokalyptische Kino-Odyssee in „Fury Road“ schickte. Nun machten sich die Avalanche-Studios daran, den wahnsinnigen Actionhappen als würdige Videospielumsetzung zu präsentieren. Das ist definitiv geglückt. Warum „Mad Max“ nicht ganz perfekt geworden ist, erfahrt ihr in meinem Test.

Story:

Inhaltlich spielt das ganze definitiv mit den Motiven des vierten Teils. So kommen allerlei Figuren vor, die wir aus „Fury Road“ kennen. Das Leitmotiv der Geschichte ist natürlich nach wie vor Max‘ Flucht vor den Dämonen seiner Vergangenheit. Dabei kommt er immer wieder den falschen Leuten in die Quere. Hier in Gestalt von Scabrous Scrotus, dem Bruder von Rictus Erectus aus „Mad Max: Fury Road“. Dieser hat seine eigene Armee aus Warboys, denen wir dann die Hölle auf Erden bereiten dürfen. Das hier selbst um das Aufleveln der Perks noch eine Rahmenhandlung um die mystische Figur Griffa erschaffen wurde, gefällt dazu noch richtig gut. Ein Pluspunkt, der in vielen professionellen Tests vergessen wurde.

Was mich bisher ein wenig stört: der Sprecher und die Figurenzeichnung von Max bringen ihn irgendwie nicht so rüber, wie ich es mir gewünscht hätte. Für meinen Geschmack springt er ein wenig zwischen dem australischen (?) Akzent und normaler Sprechweise hin und her. So „mad“ wie Gibson oder Hardy kommt der Sprecher keinesfalls rüber. Dieser Max ist sensibler und irgendwie ruhiger, vielleicht auch einfach nur langweiliger. Eventuell ändert sich das über den weiteren Spielverlauf. Nach über sieben Stunden Spielzeit bin ich aber nicht von Max‘ Persona begeistert.

Gameplay:

Das Spiel vertraut sehr auf bekannte Mechaniken. Bis auf den Fokus, der auf dem „Magnum Opus“ liegt, gibt es spieltechnisch wenig, was sich von den anderen Openworld-Games abhebt. Das Kampfsystem kennen wir eben aus den Batman-Games, viele andere Features (Basen einnehmen, Symbole auf der Karte aufdecken) aus Ubisoft-Spielen. Um die Schnellreisefunktion einer Umgebung freizuschalten und auch alle interessanten Orte auf der Karte zu markieren, müssen wir zu einem „Ausguck“ fahren. Nachdem man sich in den Heißluftballon gesetzt hat, kann man aus luftiger Höhe per Fernglas die interessanten Orte markieren. In den verschiedenen Arealen kann man Schrott, Munition und dergleichen suchen, oder auch die Insignien von Scrotus zerstören. Die üblichen Sammelaktivitäten sind also gegeben. Dennoch würde ich das Spiel locker einem „FarCry 4“ oder „Assassin’s Creed“ vorziehen, weil mich die Spielwelt viel mehr reizt. Eine willkommene Abhebung vom Einheitsbrei ist Chumbucket, quasi Max‘ persönlicher Mechaniker. Dieser nimmt treu auf der Ladefläche des „Magnum Opus“ Platz, nimmt auch bei Bedarf selbst das Steuer in die Hand und repariert den Wagen auch, wenn dies nötig sein sollte. Abseits der Hauptgeschichte gibt es noch einige Nebenmissionen. Das Spiel überzeugt am Ende aber sicherlich nicht durch Innovation bei den Spielmechaniken, sondern hier ist ganz klar die Welt von Mad Max der Star des Games.

Der Survivalaspekt wird durch Rationierung unterstrichen. Statt Gesundheitspäckchen zu verwenden oder die Gesundheit gar automatisch zu regenerieren, müssen wir aus der Wasserflasche trinken. Diese müssen wir natürlich immer mal wieder auffüllen. Hin und wieder findet sich auch Nahrung, z. B. in Form von Hundefutterdosen. „The Road Warrior“ lässt grüßen. Ansonsten müssen wir auch unser Vehikel betanken, damit wir nicht mitten in der Einöde stranden. Dafür nehmen wir einen Benzinkanister auf der Ladefläche mit und tanken bei Bedarf. Zur Not verwenden wir den Benzinkanister, um einen brennenden Feuertod über unsere Gegner zu bringen, oder um einfach nur Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Um unser Vehikel aufzuwerten, müssen wir allerlei Schrott sammeln. Munition ist dazu anfangs auch recht rar gesät. Für meine Begriffe hätte der Überlebenskampf und die Rationierung allerdings noch etwas prominenter in den Vordergrund rücken können. So ganz gefährlich fühlt sich die Spielwelt nicht immer an. Das liegt natürlich auch daran, dass man mit Voranschreiten der Story immer mächtiger wird und mehr aushält. So können wir den Waffengürtel vergrößern, oder eben unsere Gesundheit verbessern, um mehr einstecken zu können.

DIe Steuerung von Max geht mit Tastatur und Maus sehr gut von der Hand. Dank dem Kampfysystem, welches ganz klar vom „Freeflow-System“ der Arkham-Games abgeschaut wurde, vermöbeln wir blitzschnell unsere Gegner und kontern auch einfach deren Angriffe. Neue Kampftechniken können wir ebenfalls erlernen. Die Fahrzeugsteuerung ist gut. Der „Magnum Opus“ fährt sich zunächst allerdings ruppig, bricht natürlich auf den sandigen Straßen gerne mal aus. Allerdings will ich auch genau das haben, da dadurch gerade die Fahrzeugschlachten spannender und fordernder werden. Diese machen auch einigen Spaß und die Belohnung in Form von grandiosen Explosionen stellt dann jedes Mal zufrieden. Dank optionaler Cockpitperspektive kommt mehr Immersion auf. Toll, dass Avalanche daran gedacht hat! Zu Beginn des Spiels kann man eine von verschiedenen Karosserien für den „Magnum Opus“ auswählen und danach immer wieder aufmotzen und erweitern. Dazu begibt man sich auf bestimmte Missionen, in denen man die fehlenden Teile für die Modifikationen besorgt. Chumbucket kümmert sich dann um den Einbau. Das macht Laune und verbessert z. B. den Benzinverbrauch oder die Schadensresistenz des Wagens.

Spielwelt und Präsentation:

Die Spielwelt ist rau, teilweise aber auch wunderschön und steckt voller Details. Kleine Kieselsteine fliegen von den durchdrehenden Autoreifen davon, während in der Ferne meterhohe Explosionen in den Himmel bersten. Nähere ich mich einem ausbrennenden Auto, so verfärbt sich der Bildschirm Orange bis Feuerrot. Optisch und atmosphärisch ist alles genau so, wie es sein sollte. „Teal and Orange“ beherrschen das Bild, eben wie im vierten Teil. Vielleicht trotzdem eine Spur trostloser und düsterer. Oft fühlt sich die Welt wirklich öde an, was ich positiv meine und manchmal wieder traumhaft schön. Trotz Daueraction ist der Beginn erstmal gemächlich, liegt aber auch an meiner Spielweise. Ich lasse mich eben doch durch die kleinen Nebenaufgaben ablenken.

Grafik und PC-Performance:

Zum Einsatz kommt die aus „Just Cause 2“ bekannte Avalanche-Engine in einer aufgebohrten Variante. Grafische Perfektion sollte man nicht erwarten. Schaut man sich die einzelnen Teile an, wirkt alles weniger überzeugend. Texturen wechseln sich qualitativ von gut, bis „meh“ ab. Die Animationen sind hin und wieder etwas steif, z. B. wenn Max springt. Im Endeffekt ist es aber das Gesamtpaket, was überzeugt, denn in Zusammenspiel mit den tollen Partikel-, Explosions- und Wettereffekten wird die Spielwelt visuell glaubhaft rübergebracht. Gerade die Explosionen gehören zu dem besten, was ich jemals auf dem PC gesehen habe. Fährt man durch kleinere Felsen, zerbröseln diese dazu noch hübsch. Spätestens, wenn sich die gigantischen Sandstürme in der Ferne ankündigen, zieht „Mad Max“ graphisch alle Register. Das Spiel hat also durchaus seine Augenschmausmomente.

Die Performance ist auf dem PC dazu absolut mustergültig geworden.

Mein System:

AMD FX 8320 @ 4GHZ
Kingston KVR 1333 MHZ 8 GB
Inno3D GTX 970
Win7 64 Bit

Auf maximalen Details in 1080p habe ich felsenfeste 60 FPS. Da ich VSync aktiviert habe, geht es eben nicht über die Bildwiederholrate meines Beamers hinweg. FPS im Bereich der 60-90 FPS dürften definitiv drin sein. Selbst auf 1440p habe ich noch 50-60 FPS. Das Spiel soll auch auf Mitelklasserechnern eine absolut tolle Figur machen. Auf absoluten High-End-Boliden sind 4K@ 40-60 FPS sicherlich kein Problem. Dazu kann man in den Optionsmenüs wirklich so viel einstellen, dass das Spiel selbst auf alten Rechnern noch problemlos laufen könnte. Hier also ein riesiges Lob an Avalanche für diese PC-Umsetzung. Nach dem „Arkham Knight“-Debakel konnte man bei Publisher „Warner Bros.“ logischerweise Angst bekommen.

Kleinere Kritikpunkte auf der technischen Seite habe ich trotzdem, welche sicherlich dem Multiplattformansatz zu schulden sind. Das LOD (Level of Detail) ist manchmal etwas auffällig, wenn Schatten zehn Meter vor einem aus dem nichts erscheinen. Auch verschwinden Trümmerteile von Fahrzeugen und Bauwerken nach wenigen Sekunden, ebenso die Leichen der Gegner. Das lässt die PC-Fassung unnötig konsolig erscheinen. Ebenfalls nicht schön anzusehen sind die Reflektionseffekte von Wasser und Schlamm. Hier reflektiert gerne auch mal ein unscharfer Himmel, selbst, wenn man sich im Keller eines Gemäuers befindet. Solche Tricksereien wirken 2015 altbacken.

Sound:

Das Sounddesign kann sich sehen (bzw. hören) lassen. Musik wird zwar spärlich eingesetzt, aber wenn, dann ist sie mehr als passend. Manchmal treibend, oftmals sogar unheimlich, wenn man durch die ungewisse Nacht fährt. Das die meiste Zeit keine Musik gespielt wird, wenn man durch das Ödland streift, unterstreicht die karge Atmosphäre wunderbar. Die Soundeffekte, gerade auf Seiten der Kampf- und Explosionsgeräusche, sind auch brachial. Das Röhren des Motors allein ist schon ein Erlebnis für sich. Wer ein entsprechendes Heimkinosystem besitzt, dürfte seine helle Freude haben. Im Menü kann man verschiedene Soundabmischungen auswählen. Der „Fury“-Modus (auf Deutsch „Wut“) sorgt anscheinend für eine pompösere, aggressivere Präsentation des Sounddesigns. Jedenfalls wirkt der Sound gleich deutlich lauter. Ansonsten gibt es noch einen Kino-, TV-, Nacht- und Kopfhörermodus. Stereo, 5.1 und 7.1 lassen sich ebenfalls anpassen. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es übrigens nicht, hier muss man mit deutschen Untertiteln vorliebnehmen.

Fazit:

Mein frischer Eindruck zur PC-Versoftung von „Mad Max“ ist positiv. Die Spielwelt ist umwerfend, nimmt einen mit genau den visuellen Stilmitteln gefangen, die George Miller erst kürzlich auf die Kinoleinwand gebannt hat. Spielerisch gibt es wenig Neuerungen, allerdings gibt das Wasteland der Filmreihe auch nicht genug her, um viele abwechslungsreiche Nebenaktivitäten anzubieten. An die 50 Stunden dürfte man allerdings schon beschäftigt sein, wenn man alle Festungen einnehmen, Vogelscheuchen zerstören und Nebenmissionen erledigen will und dazu noch die Hauptstory verfolgt. „Mad Max“ ist am Ende ein audiovisueller Traum mit nahezu perfekter, technischer Portierung auf dem PC geworden. Action und Atmosphäre stimmen. Grafisch nicht durchgehend umwerfend, aber immer stimmungsvoll und mit einigen Wow-Momenten. Eine insgesamt gute Spielumsetzung, die den Charme der Vorlage genau trifft.

Bewertung:

4 Sterne

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