Auna Line A 700 Lautsprecher
Gastartikel, TechCheck, [Produkttest]

auna Line 700 A Test: Solide Lautsprecher, mauer Kundenservice

Warum man die auna Line 700 A nicht kaufen sollte
Eine Produktrezension. Oder Verbraucherwarnung – wie man’s nimmt.

[Ein Gastartikel von Marc Schaub]

Es ist schon verlockend: Mit der Line 700 A hat die Berliner Lautsprecher-Firma auna ein aktives Standlautsprecher-Paar auf den Markt geworfen, das einem anderen aktiven Standlautsprecher-Paar von einem anderen Berliner Unternehmen verblüffend ähnelt – aber gerade einmal ein knappes Drittel davon kostet.

Die Rede ist natürlich von den berühmt-berüchtigten Ultima-40-Standboxen der Firma Teufel, den „meistverkauften Standlautsprechern Deutschlands“.

Diese sind inzwischen in der dritten Generation erhältlich und kommen inzwischen in einem elegant-matten Finish daher. Wirft man aber einen Blick auf die vorherige Mark-II-Variante, stellt man schnell fest: Die Line 700 A von auna ist ein plumper Nachbau.

Die schwarze Klavierlack-Oberfläche, die signifikante Anordnung der Hoch-, Mittel- und Tieftöner, die Dimensionen – in beinahe sämtlichen optischen Belangen ähneln, nein, gleichen die Aunas ihrem offensichtlichen Vorbild. Und auch wenn man einen Blick auf die technischen Daten wirft stellt man schnell fest: Das liest sich auffallend ähnlich. Der einzige Unterschied, der einem gleich ins Auge springt ist der Preis. Teufel verlangt – wohlgemerkt, für die aktuelle dritte Generation – im Direktvertrieb 899,99 Euro – auna berechnet, ebenfalls im Direktvertrieb, 277,99 Euro.

Knapp 900 Piepen. Das war mir immer zu viel Geld für einen Satz Standboxen. Doch wenn man nach einer aktiven Lösung sucht, nach einem eben so üppig dimensioniertem Lautsprecherpaar mit integriertem Verstärker, das sich direkt per Toslink-, Phono- bzw. Chinch-Kabel oder gar Bluetooth mit dem Endgerät verbinden lässt, dann blickt man auf eine überraschend kleine Auswahl. Es gibt die Teufels, ihr Plagiat und dann nur noch sehr viel hochpreisigere Lösungen.

Die Katze im Sack

Da kam mir das Plagiat, eben jene Aunas, gerade gelegen. Ich habe sie „einfach mal bestellt“, wie man das ja heutzutage gerne tut, wenn man weiß, alles jederzeit kostenfrei zurücksenden zu können. Falsch aber bequem.

Lange auf sich warten ließen sie nicht. Zwar kamen die beiden Pakete zeitversetzt an, wie es der Zufall wollte natürlich mit einem langen Wochenende dazwischen, aber da lag das Problem nicht bei auna, sondern den ohnehin überforderten Paketzustelldiensten. Mit anderen Worten: Macht nix.

Glücklicherweise traf der aktive Part zuerst ein, so konnte ich diesen schon mal vorab testen. Und das Ergebnis überraschte mich doch sehr. Einen besonders wertigen Eindruck machte der Lautsprecher nicht, die Verarbeitung war eher, nun, „solide“. Der Sound, der war dafür mehr als solide. Der Sound war fett, schon mit der nur halben Anlage.

Wuchtige Bässe, saubere Höhen, ein insgesamt ordentliches Klangbild. Dies bestätigte sich umso mehr in Kombination mit dem passiven Nachzügler. Von der gegebenen Möglichkeit einen separaten Subwoofer anzuschließen muss man absolut keinen Gebrauch machen. Gerade die Tiefen überzeugen und auch die Frequenzweiche macht einen guten Job.

Auch die MDF-Gehäuse sind stabil und anständig verdichtet, sodass kaum Schwingungen entstehen. Doch es ist nicht alles Gold: Wenn man ganz kleinlich ist, kann man bei geringen Lautstärken dezente Störgeräusche wahrnehmen. Zudem ist die Fernbedienung von enttäuschend minderwertiger Qualität – sogar unabhängig davon, dass von Anfang an etwas darin schepperte. Generell ist die Elektronik sperrig. Es dauert lange bis die Lautsprecher ansprechen und wenn sie es tun, dann selten schon nach dem ersten Tastendruck.

Die Bluetooth-Performance erinnert etwas an die Anfänge des vorigen Jahrzehnts. Wenn man ausschließlich Musik hören will geht das schon klar, aber auf dieses Weise Filme zu schauen ist unmöglich – der Ton kommt gefühlt Sekunden zu spät. Natürlich war es aber auch nie Voraussetzung auf diese Weise lippensynchron Filmepen schauen zu können. Sollte es auch nicht.

Abstriche muss man also machen, das steht völlig außer Frage. In Anbetracht der insgesamt durchaus überzeugenden Performance sowie, nun ja, des Preises, hätte ich damit aber sehr gut leben können. Hätte.

Kundenservice – Mo. – Fr.: geschlossen, Sa.: Ruhetag

Womit ich nicht leben konnte – und das bedauere ich rückblickend betrachtet ein wenig: Eine Beschädigung am Fuß des passiven Lautsprechers. Ein Riss in der schwarzlackierten Hochglanzoberfläche der MDF-Platte, auf die das gesamte Konstrukt aufgebaut ist. Wahrscheinlich beim Transport verursacht.

Es war ein optischer Makel, und das nicht mal ein großer. Aber einer der mich gestört hat. Also habe ich Kontakt mit der Firma CHAL-TEC aufgenommen, dem Konzern, der hinter auna steckt. Mir wurde ein durchaus fairer Preisnachlass angeboten, doch mir ging es nicht um das Geld, ich wollte in dem Moment einfach einen unversehrten Lautsprecher haben.

Und der wurde mir versprochen – wenn ich zuerst den beschädigten Lautsprecher zurücksende. So weit, so gewöhnlich. Doch dass meine Anfragen, die Ersatzlieferung vorab zu erhalten, ignoriert wurden, sprach schon nicht für guten Kundenservice.

Also sendete ich den Lautsprecher zurück – und erhielt dann irgendwann, drei Wochen und etliche unbeantwortete E-Mails später, die Ersatzlieferung. Endlich.

Ich öffnete den Karton und stellte fest: Ein aktiver Lautsprecher. Der passive war beschädigt, den passiven habe ich reklamiert und den passiven habe ich zurückgesendet. Doch ich erhielt einen weiteren aktiven. Mit dem ich nichts anfangen konnte.

Ich habe die Firma CHAL-TEC erneut angeschrieben, mit der Bitte, das korrekte Austauschgerät zu bekommen – dieses Mal aber vorab, denn drei Wochen wollte ich nicht wieder warten. Auf meine E-Mail wurde nicht reagiert.

Nach ein paar Tagen habe ich bei der Firma CHAL-TEC angerufen. Nach einer starken Dreiviertelstunde in der Warteschleife wurde ich dann zu einer Mitarbeiterin durchgestellt, die meine Reklamation lediglich mit einem „ah, okay.“ kommentierte, mir dann aber zusagte, dass ich ein Rücksendeetikett und einen neuen passiven Lautsprecher erhalte.

Und ich bekam: Nichts davon. Tagelang nicht. Auch Antworten auf weitere E-Mails blieben aus.

Der unsichtbare Dritte

Also habe ich über PayPal eine Anfrage gestartet. Und siehe da: Weniger als eine Stunde danach habe ich eine Nachricht erhalten. Allerdings nicht mit dem erwarteten Inhalt.

Nun hat die Firma CHAL-TEC plötzlich meine (!) „Anfrage auf einen Abbruch des Kaufs“ bestätigt. Aha. Da wurde ich dann sauer. Ich wollte einfach nur endlich bekommen, was ich bestellt hatte. Keine beschädigte Ware und keine, mit der ich nichts anfangen kann. Von einem Rücktritt vom Kaufvertrag war nie die Rede.

Nach einer aufgebrachten Nachricht wurde mir dann angeboten, „das Anliegen nochmals telefonisch zu klären“. Ich sendete der Firma CHAL-TEC meine Mobilfunk-Nummer und schrieb ausdrücklich dazu, dass ich erst ab 16:15 erreichbar sein werde. Um 16:03 Uhr klingelte mein Handy. Ich konnte zu dieser Zeit noch nicht rangehen, deshalb hatte ich es ja geschrieben.

Also versuchte ich bei der ersten Gelegenheit – um 16:15 Uhr, wär hätt’s gedacht? – zurückzurufen. Warteschleife. Natürlich. Darauf hatte ich dann nun wirklich keinen Bock.

Ich war sauer, hatte endgültig die Nase voll von dem leider Gottes wirklich unfähigsten Kundenservice, der mir bis dato untergekommen ist. Deshalb habe ich geschrieben – über PayPal, da ja nur die unsichtbare Bedrohung im Hintergrund das Unternehmen zu einer Antwort bewegen konnte – dass ich mich nach all den Kapriolen für ein Konkurrenzprodukt entschieden habe und die Auna-Boxen zurückschicke. Alle beide.

Aus Frust habe ich dann auch tatsächlich die aktuelle Generation der Teufel Ultima-40-Boxen über den hauseigenen Onlineshop bestellt. So viele Nerven, wie mich die Firma CHAL-TEC bis dahin bereits gekostet hatte, konnten die Teufel-Lautsprecher gar nicht teurer sein.

Um eine Bestätigung des Erhalts der Rücksendung musste ich quasi betteln. Aber ich bekam sie. Die Rückzahlung, die jedoch bekam ich nicht. Die Ware müsse erst geprüft werden.

Da befand ich mich dann in einer kleinen Zwickmühle: Der Schriftverkehr über PayPal zog sich so lange, dass ich nur noch wenige Tage Zeit hatte, vom Käuferschutz Gebrauch zu machen, ohne dass der Fall automatisch geschlossen wird.

Der sichtbare Vierte

Ich war schon kurz davor, doch dann kam die Nachricht: Meine Rückerstattung wird in den nächsten 24 Stunden eingeleitet und trifft dann in 3 bis 5 Tagen bei mir ein. 3 bis 5 Tage, über PayPal. Ist klar. Aber ich wollte es glauben, ich wollte glauben, dass ich mein Geld wirklich bald zurückbekomme – ohne PayPal einschalten zu müssen.

Der Fall wurde also geschlossen und es passierte: Nichts. Kein Geld. Jeden Tag habe ich eine E-Mail gesendet, jeden Tag habe ich auf eine Antwort gewartet. Vergeblich.

Die Rechtslage war eindeutig, die Firma CHAL-TEC befand sich im Zahlungsverzug, nachdem mir der Erhalt der Rücksendung ja bestätigt wurde. Also habe ich eine Mahnung gesendet, ganz offiziell als solche gekennzeichnet. Nichts.

Ich habe nochmal eine Mahnung gesendet, eine letzte. Dieses Mal per Einschreiben. Wieder nichts. Dann habe ich mich an ein Inkassounternehmen gewendet und siehe da – es brauchte nicht mal einen Inkassobrief; nur weitergeleitete E-Mail mit der Beauftragung, und schon war das Geld plötzlich da. Damit hat die Firma CHAL-TEC für mich jegliche Glaubwürdigkeit verloren.

Fazit

Nun bin ich hier angelangt, am Ende einer Verbraucherwarnung, die viele Zeilen weiter oben mal als Produkt-Review begann und eigentlich im Begriff war, eine ordentliche Bewertung einzufahren.

Es ist schade, denn weiterhin stehe ich dahinter: Die Line 700A von auna ist ein solides Standlautsprecher-Paar; nicht ohne Schwächen aber einer insgesamt verblüffend guten Performance und einem überragenden Preis-Leistungsverhältnis. Vom Kauf muss ich aber dringlichst abraten. Die Lautsprecher sind ausschließlich per Direktvertrieb zu bekommen und dieser, dieser ist der wahre Teufel in dieser Erzählung. Manchmal steckt er nämlich weniger im Detail, als viel mehr im Kundenservice.

Mein Rat ist: Finger weg! Nicht nur von der Line 700A, nicht nur von auna, sondern von allen Marken, die zu der CHAL-TEC GmbH bzw. der Berlin Brands Group gehören, auch Klarstein, Capitol Sports und blumfeldt – der Vertrieb wird nämlich über eine zentrale Stelle abgewickelt; und damit auch der Kundenservice.

Bewertung

Kundenservice


auna Line 700 A
Anschlüsse: 1 x coaxialer Eingang (Mono-Cinch), 1 x optischer Eingang (Toslink) , 1 x Aux-Eingang (Stereo-Cinch), 1 x Subwoofer-Ausgang (Mono-Cinch)
Leistung: 2 x 120 Watt RMS
Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Maße: ca. 21,5 x 106 x 35 cm (BxHxT)
Features: 3-Wege-Lautsprechersystem, Fernbedienung
Preis: ca. 280 Euro

Autor: Marc Schaub

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