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KS Cycling Beachcruiser Test: Ehrfahrungsbericht zum Vintage Cruiser-Bike

Wer beim Fahrradfahren keinen Wert auf Tempo legt, sondern lieber gemütlich und verträumt durch die Gegend gurkt, ist mit einem Cruiser bestens bedient. Die Mischung aus hübschem 50s-Retro-Design und gemächlicher Geschwindigkeit macht diese Fahrräder besonders für Genießer attraktiv. Der Beachcruiser Vintage von KS Cycling gehört zu den günstigsten Modellen, ist also vor allem für Einsteiger interessant. In diesem Erfahrungsbericht schauen wir uns sowohl den Ersteindruck als auch die Gedanken nach einem Jahr Nutzung an.

Ersteindruck aus der Hölle

Bestellt wurde Juni 2019 im Real-Onlineshop. Was den Versand anging, haben sich weder KS Cycling noch DHL mit Ruhm bekleckert. Das Fahrrad kam erst zehn Tage nach Bestellung an, nachdem zwei versprochene Liefertermine verstrichen. So wurde die Lieferung mehrfach verschoben und an den ersten vier Tagen verließ das Paket nicht mal das Lager. Der Real-Kundenservice machte auch einen schlechten Job, reagierte zeitweise gar nicht und war in Sachen Koordination ein Albtraum. Für jeden, der so eine Paketannahme planen muss, ein absolutes Worst-Case-Szenario. Dazu sind die einzelnen Fahrradteile zwar ordentlich gepolstert geliefert worden, das Paket selbst war aber so gepackt, dass die Pedalarme samt Pedalen in den Speichen des Vorderrads steckten. Das ist ziemlich gewagt und hätte zu Beschädigungen führen können. Ansonsten war das Paket in einem eher schlechten Zustand. Das Paketband hatte sich gelöst und hing bei Annahme des Fahrrads überall herunter. So entsteht kein guter Ersteindruck. Leider war das Schutzblech des Hinterrads ein wenig verbogen, sodass selbst Hand angelegt werden musste. Kein großes Problem, aber dennoch unschön. Die restlichen Teile erweckten dann zwar keinen hochqualitativen, aber immerhin ausreichend-zweckdienlichen Eindruck. Für den kleinen Preis mutete alles aber stabil genug an.

Der Aufbau aus Sicht eines Laien

Selbst ohne fundierte Fahrrad-Kenntnisse konnte die Montage durchgeführt werden. Trotzdem gab es Problemchen. Es wurden zwar mehrere, recht ausschweifende Anleitungen beigelegt, allerdings war davon keine konkret auf das bestellte Rad zugeschnitten. Die Montage musste also mit etwas Improvisation ausgeführt werden. Video-Tutorials sorgten hier für Abhilfe. Am Ende waren Lenker, Pedale und Vorderrad montiert. Bremsen und Schaltung mussten nachgestellt werden. Der Anbau von Lampen und Reflektoren ging dafür äußerst leicht von der Hand. Die bereits vorinstallierte Klingel ist dazu eine schöne Sache. Insgesamt war der Aufbau etwas schweißtreibend, ging aber insgesamt in Ordnung. Leider war die Lieferung unvollständig. Die Schrauben und Muttern für das vordere Schutzblech waren nirgendwo zu finden. Von daher mussten die ersten Testfahrten ohne Verkleidung des Vorderreifens stattfinden. Nach zehn Tagen Wartezeit machte sich da schon Ernüchterung breit. Die fehlenden Schrauben wurden ein bis zwei Wochen später nachgeschickt. Positiv anzumerken sei noch, dass ein Satz Inbusschlüssel und ein Schraubenschlüssel beilagen. Damit ließen sich alle Einstellungen sowie die Montage vornehmen. Sehr lobenswerte Sache. Leider fehlte ein Schmiermittel, um Kette und Sattelstange einfetten zu können.

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Trotz der Startschwierigkeiten machte das montierte Bike optisch einen guten Eindruck

Klassisches Fahrgefühl

Glücklicherweise kann das Bike in dieser Disziplin noch etwas rausreißen. Das Fahrgefühl ist wirklich äußerst bequem, was natürlich auch an dem gemütlich gefederten Sattel liegt. Man sitzt ein wenig erhöht, wie auf einem Thron und überschaut bequem jede Fahrbahn. Einen Bluetooth-Lautsprecher montiert und dazu entspannte Musik abgespielt, kommt ein sehr lässiges Gefühl auf. Die Rahmenhöhe ist mit 46 Zentimetern und 26″-Reifen zwar etwas niedrig, aber zum relaxten Fahren eignet sich das locker. Mit knapp unter 20 Kilogramm ist das Gewicht auch sehr angenehm, sodass das Fahrrad mühelos aus dem Keller getragen werden kann. Die sechs Gänge sind mehr als ausreichend: Damit ist man ganz flott unterwegs, ohne jemals wirklich schnell zu sein. Für den Straßeneinsatz sowie für einfache Schotterwege also absolut zu gebrauchen. Wer in die Berge und steilen Wälder will, sieht allerdings schwarz – dafür sind diese Fahrräder auch nicht gemacht. Vergleichbare US-Modelle haben gar nur einen einzigen Gang und sind mit einer einfachen Rücktritt-Bremse ausgestattet. Da ist man hier mit einer 6-Gang Shimano-Schaltung sowie dedizierter Vorder- und Hinterbremse schon gut bedient.

 

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Dank des gefederten Retro-Sattels kommt ein bequemes und kultiges Fahrgefühl auf

Doch zurück zum ersten Fahreindruck: Für den Anfang wurde eine knapp zehn Kilometer lange Strecke gewählt – rund 40 Minuten Fahrtzeit. Der Untergrund bestand zu 70 Prozent aus normaler Straße und 30 Prozent Schotterweg. Selbst auf dem langen Schotterstreifen konnte noch vergnügt und ohne große Anstrengungen im fünften Gang gefahren werden. Abgefallen ist nichts, die Bremsen und Schaltung arbeiteten problemlos und auch sonst war die Fahrt mit dem Bike eine angenehme Sache. Beim Erklimmen von hohen Bürgersteigen klapperte das hintere Schutzblech etwas, aber das lässt sich bautechnisch bedingt eben nicht vermeiden. Außerdem kehrten so Kindheitserinnerungen an einfachere Tage zurück. Gravierende Mängel sind während der Testfahrt nicht aufgefallen und in Anbetracht des absoluten Einstiegspreises sollte man die Fehler auch nicht mit der Lupe suchen. Wenige Tage später wurde eine 20 Kilometer lange Fahrradtour in die Stadt unternommen und es blieb beim vorab geschilderten Eindruck. Lediglich die hintere Bremse musste noch mal nachgestellt werden, da sich die Bauteile laut Handbuch auch noch „setzen“.

Ein Jahr später

Sommer 2020: Nach einem Jahr gibt es hier noch ein paar ergänzende Worte, um den Langzeittest abzuschließen.

Die Kette bzw. Schaltung sollte auf jeden Fall von einem Fachmann eingestellt werden. Da hier nur ein Laie am Werk war, sprang die Kette in den ersten beiden Gängen mehrfach über, sodass die diese komplett hinter das größte Zahnrad eingeklemmt und eingerollt wurde. Eine äußerst unschöne Angelegenheit, die mit einigem Kraftaufwand und schmutzigen Fingern verbunden ist. Da der Fehler hier beim Tester selbst liegt, hat dieses Problem allerdings keinen Einfluss auf die Bewertung.

Auch die Bremsen müssen hin und wieder nachgestellt werden, da hier nur äußerst günstige V-Brakes und einfache Bremsschuhe verbaut worden sind. Die recht hübschen Weißwandreifen verschmutzen natürlich nach gewisser Zeit deutlich. Hier wirken ein feuchter Lappen und eine Dose WD-40 Wunder. Danach sieht alles wieder wie neu aus. Anzumerken sei noch, dass die Schläuche die Luft ausreichend lange halten können, trotzdem mussten die Reifen nach einiger Zeit der Nichtnutzung natürlich wieder aufgepumpt werden. Mit einer Standpumpe geht das aber sehr schnell und einfach. Alles in allem hat der Beachcruiser Vintage den Langzeittest also bestanden und musste, bis auf ein paar kleine Anpassungen, nicht groß gewartet werden.

Fazit

Der Ersteindruck war ein ziemlicher Reinfall: Schlechte Versandperformance, eine unvollständige Lieferung und ein leicht verbogenes Schutzblech – so kam keine Freude auf. Da das Fahren mit dem zusammengebauten Drahtesel am Ende aber wirklich viel Spaß bringt und durchaus bequem ist, kommt noch eine recht salomonische Bewertung zustande.

Bewertung

3 Sterne

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KS Cycling Beachcruiser Vintage
Rahmenhöhe:
46 cm
Gewicht:
ca. 20 kg
Reifen:
26″ Weißwandreifen x 2.125″ (57-559)
Schaltung:
6-Gang-Kettenschaltung Shimano Tourney mit Shimano SL-RS 35 Drehschaltgriff 
Bremsen:
Aluminium V-Brakes
Sattel:
Selle Monte Grappa Cruisersattel, gefedert 
Features:
Klingel, Fahrradständer
Preis: ca. 230 Euro

Autor: Sebastian Narkus

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