PlayCheck, TechCheck, [Produkttest]

PlayStation Classic im Test: Holpriger Trip in die Vergangenheit

Hier ist er nun, Sonys Versuch, ein Stück vom Erfolg abzubekommen, den Nintendo mit seinen Mini-Versionen des NES und SNES generieren konnte. Auf dem Papier klang die Idee gar nicht schlecht, schließlich ist Sonys erste PlayStation unter Zockern eine bis heute heiß geliebte Kindheitserinnerung. Dieses schöne Gefühl heute noch einmal am modernen TV nachempfinden zu können, dürfte für viele der Kaufgrund schlechthin gewesen sein. Lediglich das Spiele-Lineup ließ vorab ein paar Wünsche offen. So fehlen elementare Klassiker wie „Crash Bandicoot“, „Driver“ oder auch ein Ableger der „Tony Hawk’s Pro Skater“-Reihe. Mit „Metal Gear Solid“, „Tekken 3“ oder auch „Final Fantasy VII“ hat man aber in jedem Fall einige Meisterwerke dabei. Die komplette Spieleliste findet ihr am Ende des Tests. Wie man das Lineup nun bewertet, ist natürlich eine völlig subjektive Angelegenheit.

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Tücken der Technik

Was nicht subjektiv ist, ist die Art und Weise, wie die PlayStation Classic ihre 20 Spieletitel präsentiert. Die Emulation hat leider mit einigen Patzern zu kämpfen. Da werden munter NTSC- und PAL-Versionen durcheinandergewürfelt, was bei letzteren zu einer langsameren Bildrate führt. Bei dem flotten Prügelspiel „Tekken 3“ führt das z. B. zu einem etwas behäbigen Spielerlebnis. Die Entscheidung, Spiele der unterschiedlichen Fernsehnormen zu vermischen, ist absolut unverständlich. Leider bleibt auch die Bildqualität hinter aktuellen Standards zurück. Das Bild wird in betagten 720p ausgegeben. Dabei wird leider eine eher ungeschickte Kantenglättung verwendet, welche das Bild recht weich wirken lässt. Das ist bei verpixelten Zwischensequenzen und ähnlichen Ingame-Videos von Vorteil, da man damit Bildfehler kaschieren kann, im allgemeinen Gameplay ist das weichgezeichnete Bild allerdings eher suboptimal. Der Sinn dieser Konsolen soll doch das klassische Spielgefühl mit den Vorteilen der aktuellen TV-Generationen sein. Stattdessen bekommt man nur ein HD-Ready-Bild vorgesetzt, welches je nach Fernsehgerät noch weiter künstlich auf 1080p oder sogar 4K aufgeblasen werden muss. Das führt natürlich zu einer weiteren Verwässerung des Ausgangssignals. Das ist einfach nicht zeitgemäß und geht definitiv besser. Wirklich negativ fällt dies aber nur im direkten Vergleich auf.

Leider schleichen sich auch beim Sound einige Fehlerchen ein. So werden Spiele wie „Final Fantasy VII“ oder „Ridge Racer Type 4“ nur mit kleinen Macken wie plötzlich deplatziert auftauchenden Halleffekten oder detailärmerer Soundkulisse wiedergegeben. Im Vergleich zum Original wirkt der Sound bei manchen Titeln etwas gedämpft, Feinheiten werden verschluckt. Als wie schlimm man das empfindet, ist auch hier eine Frage der persönlichen Wahrnehmung. Vom Originalhersteller dürfte man allerdings in allen Belangen eine originalgetreuere Umsetzung erwarten dürfen.

Was die Anschlussmöglichkeiten anbelangt, bekleckert sich Sony ebenfalls nicht gerade mit Ruhm. Die beiden mitgelieferten Controller werden über die zwei vorderen USB-Anschlusse betrieben. Das Video- und Audiosignal wird über den HDMI-Anschluss übertragen. Ein HDMI-Kabel liegt bei. Ein Micro-USB-Kabel liegt zwar für die Stromversorgung bei, es fehlt allerdings ein Adapter für die Steckdose. Das ist ärgerlich. Wer glaubt, die etwas knapp bemessene Spielesammlung durch eigene Titel in Form von Disc-Images erweitern zu können, schaut in die Röhre: Es gibt weder einen SD-Karten-Slot noch einen dedizierten USB-Anschluss zur Datenübertragung. Mehr als die vorinstallierten Spieletitel wird man also nicht daddeln können. Wer mehr Titel möchte, muss sich das Original zulegen oder greift notfalls auf einen Raspberry Pi mit der Software RetroPie zurück. Problematisch wird der fehlende USB-Eingang in Verbindung mit der nicht vorhandenen Internetanbindung. So sind Updates der Firmware und Bugfixes nicht ohne Weiteres möglich. Selbst bei der kürzlich veröffentlichten Retrokiste C64 Mini gab es eine solche Unterstützung. Dass Technikgigant Sony hier geschlafen hat, wirkt einfach schlampig.

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Charme, der seine Grenzen hat

Das Menüdesign ist schön übersichtlich gehalten und lehnt sich an das Memory-Card-Menü der ersten PlayStation an. Das sieht heute altbacken aus, übermittelt aber das Originalfeeling äußerst gut. Beim Systemstart bekommt man auch das klassische Intro zu sehen, wenn auch in etwas veränderter Form. Leider gibt es keinerlei Optionen für das Videosignal. So muss man auf individuell konfigurierbare Filter- und Kantenglättungsmodi verzichten. Von ähnlichen Geräten ist man da z. B. den Scanline-Modus gewöhnt, der den Look alter Röhrenfernseher simuliert. Derartige Features fehlen hier gänzlich. Schade. Auch liegen die Spiele vereinzelt nur in englischer Sprache vor, obwohl teilweise europäische PAL-Versionen vorinstalliert sind. Das ist unverständlich, hier fehlt die Liebe zum Detail. Gespeichert wird übrigens über eine virtuelle Memory Card. Ansonsten verfügt jeder Titel über einen separaten Speicherpunkt, welcher einem das Fortsetzen der letzten Spiele-Session ermöglicht.

Optisch und haptisch alles unter Kontrolle

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Schön zu sehen, dass Sony wirklich an den Anfang zurückgekehrt ist und die klassischen Controller entstaubt hat. Diese Gamepads kamen noch ohne Analog-Sticks und Vibration aus, welche in Europa erst 1998 mit dem Dual-Shock-Controller eingeführt worden sind. Für den richtig klassischen Charme sind die alten Pads mit dem Digitalkreuz aber eine feine Sache. Allerdings kommt man nicht um den Eindruck herum, dass man hier aus Kosten- und Emulationsgründen auf die Dual-Shock-Controller und deren Vibrationsfeature verzichtet hat. Das ist aber natürlich reine Spekulation.

Bei der Verarbeitungsqualität des Geräts gibt es hingegen keinen Grund zum Murren: Alles wirkt so, wie man es von damals kennt. Verarbeitungsfehler oder Spaltmaße sind keine auszumachen. Die Textur der Pads und der Konsole sind dem Original gut nachempfunden. Für große Hände dürften die Standard-Controller aber etwas klein wirken, denn die sind, wie die Originale damals auch, sehr kompakt gehalten. Die Controller verfügen über gute Druckpunkte, sind aufgrund der Bauweise aber natürlich deutlich leichter als ihre Dual-Shock-Pendants. Eingaben werden zügig an den Bildschirm übertragen, eine spürbare Verzögerung gibt es nicht. Optik und Haptik des Systems sind also insgesamt eine runde Sache.

Fazit

Letztendlich hinterlässt die PlayStation Classic einen zwiespältigen Eindruck. Wer einfach nur das alte Spielgefühl wieder erleben möchte, ohne die großen Ansprüche, der wird sicher seinen Spaß mit dem System haben. Die Spiele laufen weitestgehend flüssig und bieten Schwächen eher im Detail. Die Verarbeitung überzeugt hingegen auf voller Linie und bietet keinen Grund zur Kritik. Mit etwas Glück kann Sony ein paar der technischen Probleme beheben und den mageren Funktionsumfang erweitern. Da die Konsole über keinerlei Online-Anbindung verfügt, dürfte sich das aber als schwierig erweisen. Wer in der heutigen Zeit einen gewissen Standard erwartet, entsprechend auch die Nachteile des PAL-Systems und der geringen Auflösung kennt, dürfte jedoch von Sonys Winzling enttäuscht sein. Ein Erlebnis mit Abstrichen also, entsprechend auch eine eingeschränkte Kaufempfehlung.

Bewertung

3 Sterne

Die komplette Spieleliste umfasst:

  • Battle Arena Toshinden
  • Cool Boarders 2
  • Destruction Derby
  • Final Fantasy VII
  • Grand Theft Auto
  • Intelligent Qube
  • Jumping Flash!
  • Metal Gear Solid
  • Mr. Driller
  • Oddworld: Abe’s Oddysee
  • Rayman
  • Resident Evil Director’s Cut
  • Revelations: Persona
  • Ridge Racer Type 4
  • Super Puzzle Fighter II Turbo
  • Syphon Filter
  • Tekken 3
  • Tom Clancy’s Rainbow Six
  • Twisted Metal
  • Wild Arms

Bildmaterial: Sony Interactive Entertainment

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