TechCheck, [Produkttest]

Auna TT-931 im Test: Eine traurige Angelegenheit

Erstveröffentlichung: 13. Juli 2015 auf Amazon

„Im Preissegment bis 100 Euro braucht man keinen vernünftigen Plattenspieler erwarten.“ – So zumindest die Meinung vieler Plattensammler. Der Auna TT 931 versprach allerdings eine Menge an Features, die man bei anderen Geräten in der Preisklasse vergeblich sucht. Die Erwartungen und die Vorfreude waren bei mir dementsprechend hoch. Also gleich bei Auna direkt bestellt und noch einen Gutschein eingelöst. Warum auch Aunas Plattendreher nicht überzeugen kann, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Anmerkung: Dieses Modell scheint baugleich mit dem BigBen TD110 zu sein. Die wenigen Rezensionen, die ich international gefunden habe, zeugen jedenfalls von der gleichen „Qualität“.

Lieferumfang:

– Auna TT 931 Plattenspieler
– Staubschutzhaube (abnehmbar)
– Filzmatte
– Gegengewicht für den Tonarm
– 45er Adapter für Singles
– Bedienungsanleitung

Im Grunde also kein besonders aufregender Lieferumfang. Die antistatische Filzmatte ist eine schöne Sache, oftmals werden doch nur billige Gummimatten beigelegt.

Pro:

Ist der Plattenspieler aufgebaut, macht er optisch und verarbeitungstechnisch einen sehr ordentlichen Ersteindruck. Die verarbeiteten Materialien sind Holz und stabiler Kunststoff. Der Plattenteller besteht aus Plastik, wirkt aber robust. Dazu ist dieser recht laufruhig und eiert nicht. Der Rand des Platentellers ist aus Metall gefertigt. Insgesamt wirkt der TT-931 im Vergleich zu anderen Spielern in der Preisklasse hochwertiger. Das gefällt. Ebenso gefällt, dass man einige nette Features eingebaut hat. Zum einen kann man die Auflagekraft des Tonabnehmers mit dem Gegengewicht einstellen. Darüber hinaus gibt es noch ein Pitchregler, mit dem man die Geschwindigkeit erhöhen oder verringern kann. So kann man ganz einfach kleinere Geschwindigkeitsdefizite ausbügeln, wenn denn welche auftreten. Der Plattenteller hat am Rand Stroboskopmarkierungen, mit denen man auch nochmals die Drehgeschwindigkeit überprüfen kann. Die gefederten Füße des Plattendrehers sorgen dafür, dass Tonsprünge durch übertragene Vibrationen vermieden werden. Eine rundum schöne Sache.

Neutral:

Zuerst ist mir aufgefallen, dass der Powerknopf nicht wie auf den Abbildungen rund, sondern rechteckig gewesen ist. Das hat mich etwas irritiert, aber nicht besonders gestört. Ist halt eine Abweichung, die sicher nicht jeder mag. Leider lässt der Plattendreher auch eine Antiskating-Funktion vermissen. Auf den Abbildungen hat mich das Pitch-Rädchen glauben lassen, es wäre eine Stellschraube für Antiskating. War mein Irrtum, wird also nicht negativ gewertet. Sehr schön ist natürlich die Möglichkeit, den Tonarm auszubalancieren, um das perfekte Gewicht einstellen zu können und so im besten Fall sehr schonend die Platten abzuspielen. Leider ist der Tonarm an sich teilweise etwas steif zu bewegen gewesen. Er blieb teilweise an bestimmten Positionen regungslos stehen, als wäre er nicht gut geölt. Ich kann es leider nicht anders beschreiben. Wirklich butterweich bewegte sich der Tonarm beim Einstellen des Gegengewichts einfach nicht. Das hat das ganze etwas erschwert. Es ist einfach so, dass der Tonarm nicht besonders sensibel auf Veränderungen des Gewichts reagiert.

Contra:

Im Grunde hätte das Gerät in seiner Preisklasse brillieren können, aber es leistet sich wirklich sehr viele und derbe Schnitzer.

Kommen wir nun also zum wichtigsten, dem Sound. Was für eine Enttäuschung! Ein schlechter Witz! Ich muss ein Montagsgerät erwischt haben, oder sollte das Aunas Ernst gewesen sein? Angeschlossen an einen Yamaha rx-v375 an dem zwei Canton GLE 470 hängen. Also nicht gerade Aldi-Technik. Laut Handbuch soll man das Gerät an den Phonoeingang seines Verstärkers anschließen, was bedeutet, dass es keinen eingebauten Vorverstärker gibt. Merkwürdigerweise ist das Gerät an normalen Aux-Eingängen trotzdem sehr laut. Der Klang ist schrill in den Höhen, kratzig in den Bässen und generell einfach nur laut übersteuert. Okay, das musste einfach mein Fehler sein. Mein Verstärker hat keinen Phonoeingang, da fehlte wohl der Phonoverstärker. Also schnell diesen  dazwischengeklemmt und der Sound blieb gleich furchtbar, nur eben einfach verstärkt. Das kann doch nicht möglich sein? Egal ob alte Platte oder neue, der Ton war schlechter, als zwei Geräte, die ich getestet hatte, welche preislich noch 20-30 Euro darunter lagen. Mit dem miserablen Klang hört der Ärger aber noch nicht auf. Mein Gerät musste schon mal verwendet worden sein, oder wurde einfach minderwertig verpackt. Die Staubschutzhaube war trotz Schutzfolie zerkratzt und das gut sichtbar. Das ist nicht nur hässlich, sondern auch ein absolutes No-Go.

Es ist schön, ein Gegengewicht und einen justierbaren Tonarm beizulegen. Weniger gut ist es, wenn im Handbuch nicht erläutert wird, welches Gewicht der Tonabnehmer denn gerne hätte. Diese Info darf nicht fehlen. Hier wurde sie leider völlig vergessen. So habe ich zwischen 2 und 3,5 Gramm probiert, der Klang hat sich nicht verbessert.

In der miserablen Bedienungsanleitung wird eine Autostopp-Funktion erwähnt, die man aktivieren und abschalten kann. Wie genau das funktioniert, bleibt uns das Heftchen allerdings schuldig. Oder war die Autostart-Funktion gemeint? Wofür ist der gut versteckte Regler hinter dem Tonarm noch gleich gedacht? Der unter der Gummiabdeckung? Was soll man damit anstellen? Verraten wird es nicht. Ohnehin ist die Anleitung wenig hilfreich. Sie erklärt dem Laien nicht, wie man den Tonarm vernünftig justiert. Dies wird nur unklar illustriert, aber nicht schriftlich erläutert. Welchen Nutzen dieses Feature überhaupt hat, muss sich ein Laie selbst zusammenreimen. Für mich war es kein Problem, aber wer keine Ahnung hat, wird sicherlich was falsch machen. Darüber hinaus benutzt die Anleitung teilweise verwirrende Begriffe und Redewendungen, die schlecht übersetzt worden sind.

Kommen wir nun zum Showdown des traurigen Kapitels: Ich bemerkte beim Einpacken, dass irgendwas in meinem Gerät hin- und hergerutscht ist. Durch den Plattenteller habe ich dann entdeckt, dass zwei Metallteile locker im Gehäuse hin- und hergeflogen sind. Anscheinend waren das zwei Scharniere, die sich gelöst hatten. Waren aber gut eingefettet. Immerhin… Wofür die genau da sind, war mir dann auch egal. Den Plattenspieler schnell eingepackt, Auna mit einer netten Email bedacht und den genzen Krempel zurückgeschickt. Puuuuh.

Diese Aspekte zeigen mir, dass es keine vernünftige Qualitätskontrolle geben kann. Zu viele qualitative Makel für ein einziges Gerät.

Fazit:

Auna hat die Chance verpasst, einen brauchbaren Plattenspieler im Einsteigerbereich abzuliefern, dabei sah alles so vielversprechend aus. Die angebotenen Features, wie der justierbare Tonarm oder die Pitch-Stellschraube, sind an und für sich super, nur bringt das wenig, wenn der Sound schlechter ist, als bei anderen Geräten in der Preisklasse. Die zerkratzte Staubschutzhaube und die mangelhafte Montage der Bauteile sind dann der Sargnagel. Lose Bauteile, die im Gerät ihr Unwesen treiben, habe ich bisher noch nie erlebt. Ein wirkliches Trauerspiel. Vor dem Totalabsturz wird der TT 931 nur durch das schicke Design und die auf dem Papier gut gemeinten Features gerettet. In jedem Fall Finger weg, oder ihr drückt eben die Daumen, dass euer Gerät keine Macken hat.

Bewertung:

1 Stern
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