TechCheck, [Produkttest]

JXD S7800B Gaming Tablet im TechCheck: Portabler Spieleknecht für Preisbewusste

Erstveröffentlichung am 07. März 2015 auf Amazon

Seit dem Gameboy sind mobile Videospiele aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Heute sind es zumeist die Smartphones und Android Tablets, die das Daddeln unterwegs ermöglichen. Leider fehlt gerade diesen meist ein sehr essentielles Feature: das Gamepad. Diese Nische haben sich sowohl Archos mit den „Gamepads“, als auch just NVIDIA mit dem „Shield“ zu Nutze gemacht. Wer es etwas obskurer und günstiger mag, der schaut sich den chinesischen Technikmarkt an. Hier trifft man immer wieder auf den Hersteller JXD, der seit Jahren kontinuierlich Android Handhelds herstellt. Als Sparfuchs habe ich mich für eben diese Firma entschieden, genauer für das s7800b, auch als „GamePad 3“ bekannt. Wichtig war mir dabei vor allem ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis und eine gute Performance mit Emulatoren.

(Anmerkung: es gab ursprünglich das S7800A und das S7800B. Ersteres kam mit nur einem 1GHZ Quad Core Prozessor und 1 GB RAM aus, während letzteres 1,6 GHZ und 2 GB DDR3 RAM zu bieten hat. Version B wird hier besprochen. Auf der eigentlichen Verpackung wird aber schlicht vom „s7800“ gesprochen)

Lieferumfang:

Im recht aufwändig gestalteten Karton ist folgendes zu finden:

* JXD S7800b
* Bedienungsanleitung
* Netzstecker
* 2x USB-Kabel zur Verwendung am PC
* OTG-Kabel zum Verbinden von Gamepads, Tastaturen etc. mit dem Gerät
* weiße In-Ear-Kopfhörer
* vorab aufgetragene Displayschutzfolie

Das doppelte USB-Kabel dürfte eher ein Versehen gewesen sein. Ansonsten ist der Lieferumfang recht ansehnlich. Bei mir war die Displayschutzfolie komplett transparent, ich habe aber auch Youtube-Videos gesehen, in denen die Folie beschriftet war. Die Beschriftung weist dann darauf hin, dass die Bedienung ohne Folie besser funktionieren würde.

Technik und Spezifikationen:

Bildschirm: 7″ IPS Touchscreen Display
Auflösung: 1280×800
CPU: 4x 1,6 GHZ RockChip RK3188 / Cortex A9 CPU
GPU: ARM mali400 mp4 GPU
RAM: 2 GB DDR3 RAM
Speicher: 8 GB Flash-Speicher verteilt auf zwei Partitionen
MicroSD: bis 32 GB erweiterbar
Android: Version 4.2.2 Jellybean
Internet: W-iFi 2.4 GHZ
Video Out: Mini HDMI
Kameras: vorne (0,2MP) und hinten (2MP)

Per Firmwareupdate auf der Homepage von JXD kann man auf Android 4.4.4 updaten. Allerdings sollte man technisch versiert sein, wenn man sich damit auseinandersetzen will. Ist entsprechendes Hintergrundwissen vorhanden, empfiehlt es sich auch, das Gerät zu „rooten“ um ein paar der vorab installierten Systemtools zu entfernen. Das Gerät ist nämlich nach dem Einschalten bereits mit unzähligen Apps zugeballert und manche lassen sich ohne Root-Rechte nicht entfernen.

Über Bluetooth oder GPS verfügt das Gerät übrigens nicht. Auch einen SIM-Karten-Slot sucht man vergeblich. Somit ist man theoretisch auf Internet über Wi-Fi beschränkt. Allerdings kann man über das OTG-Kabel einen 3G-Dongle anschließen und somit kommt man auch in den Genuss von mobilem Internet.

Verarbeitung und Ersteindruck:

Hat man das Gerät aus der recht chemisch stinkenden Verpackung befreit, fällt auf, dass das Gerät dem Preis (für 120 Euro in der Bucht gekauft) angemessen ist. Das Gehäuse besteht ausnahmslos aus Kunststoff. Minimale Verarbeitungsfehler sind zu finden und zu fühlen. Die Schultertasten (L2 und R2) klappern etwas. Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Das Display hat für meinen Geschmack genau die richtige Größe, um gut spielen oder auch mal einen Film schauen zu können. Im Vergleich zum Odys Tablet „Quad Ieos“, was ich in der Vergangenheit genutzt habe, ist das s7800 auch recht blickwinkelstabil. Das bedeutet, dass der Kontrast auch im Betrachtungswinkel von den Seiten nicht stark abnimmt. Die Lautsprecher haben einen angenehmen Klang mit guten Höhen. Für so ein Gerät eine schöne Überraschung, da ich eigentlich die übliche Blechdosenqualität erwartet hatte. Lediglich bei hohen Lautstärken brummen die Lautsprecher bzw. das Gerät vibriert mit.

Die beiden verbauten Kameras sind bestenfalls als Gimmick zu betrachten. Weder sind die Bilder hochauflösend, noch scharf oder sonstwie zu gebrauchen. Für Skype noch akzeptabel, aber ansonsten ziemlich unnötig. Lediglich die recht gute Helligkeit der Vorderkamera war für mich überraschend. Diese ist auch bitter nötig, da natürlich kein Blitz oder LED-Licht verbaut wurde.

Das Wi-Fi-Signal ist etwas schwachbrüstig. Um einen guten Empfang zu bekommen, musste ich den Router umstellen. Danach konnte ich mich aber nicht beklagen. Für größere Wohnungen oder Häuser sollte man also Geduld mitbringen, denn größere Distanzen sind für die Wi-Fi-Antenne absolut nicht zuträglich. Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass man den Empfang ab 10 Metern vergessen kann. In der Küche bricht bei mir das Signal z. B. völlig zusammen. Wenn man die beiden Kameras weggelassen hätte, hätte eine hochwertigere Antenne verbaut werden können. Das ist das erste größere Manko.

Bedienung:

Das Steuerkreuz und die Druckpunkte der anderen Tasten sind gut ausgefallen. Beat ‚em ups gehen damit gut von der Hand. Auch ein Super Mario lässt sich damit gut und direkt über den Bildschirm scheuchen. Der Touchscreen reagiert auch gut genug und zügig, allerdings ist hier der zweite größere Kritikpunkt zu finden: die Bedienung wird an den Rändern und in den Ecken ungenau, sodass man manche Befehle mehrfach ausführen muss. Dies kann, wie eingangs erwähnt, an der aufgetragenen Displayschutzfolie liegen. Nervig ist es in jedem Fall.

Besonders erwähnenswert ist das sogenannte „Button-Mapping-Feature“ des Geräts. Dieses erlaubt, dass man normale Touchscreen-Steuerbefehle auf die physischen Tasten umbelegt. Damit kann man dann bequem nahezu jedes Spiel mit dem verbauten Gamepad spielen. Per Knopfdruck lässt sich jederzeit das entsprechende Konfigurationsprogramm einblenden. Damit lässt sich alles belegen, seien es nun die beiden Joysticks oder alle anderen Tasten. Zu den Analogsticks ist noch zu sagen, dass sie einen gewissen Kraftaufwand brauchen und manchmal etwas ungenau sind. Das ist aber wohl Geschmackssache. Für meinen Geschmack sind die Sticks auch einen guten Zentimeter zu hoch. Eine Bedienung wie bei der PSP wäre bequem gewesen.

Emulation und Spielbetrieb:

Über den dubiosen „Happy Chick“-Market lassen sich kostenfrei unzählige Roms vieler Systeme beziehen. In das Programm sind dann entsprechende Emulatoren bereits eingebaut. Ich konnte bisher nahezu jede Plattform testen und abgesehen von der PSP hat das JXD s7800 nahezu jede Plattform wunderbar emuliert. Ob nun „Tony Hawk’s Skateboarding“ oder „Soul Blade“ auf der PS1 oder „Power Stone“ auf Sega Dreamcast: die Emulation war durchgehend hochqualitativ. Hier und da muss man bei entsprechenden Spielen die Emulatoren tiefgreifender konfigurieren, aber ansonsten ist die Performance fast universell gut. Natürlich gibt es auch Spiele, die gewisse Grafikfehler (z. B. „Soul Calibur“ auf dem DC) mit sich bringen, dies ist aber nicht dem Gerät anzulasten. Betagtere Videospielgeräte wie der Commodore 64, das SNES oder das Sega MegaDrive werden natürlich perfekt wiedergegeben. Auf Seiten der Emulation gibt es also kaum Anlass zur Kritik.

Die Performance bei normalen Android-Spielen ist ebenfalls zu gebrauchen. Ein GTA Vice City läuft z. B. auf hohen Einstellungen durchgehend flüssig. Bei grafisch besonders aufwändigen Spielen lässt die Performance natürlich nach. Wirklich zukunftssicher ist das GamePad 3 also nicht. In erster Linie ist es eben für die Emulation gedacht und genau da punktet das Gerät. Aktuelle Android-Spiele sind aber problemlos spielbar.

Es ist übrigens durchaus möglich, seinen PC per „Remote Desktop“ (z. B. mit Kainy) fernzusteuern. Das bedeutet, dass sie Ihren PC und damit auch alle Spiele auf das Tablet streamen können. Durch die wechselhafte Wi-Fi-Verbindung ist das natürlich eher als Gimmick zu betrachten. Umso aufwändiger die Spiele, desto besser sollte auch die Internetanbindung sein. Ein „Tomb Raider“ auf den höchsten Einstellungen pixelt und lahmt auf dem Gerät nur so vor sich hin. Normale Office-Aufgaben, anspruchslosere Spiele und Film-Streams vom PC auf das GamePad sind aber locker und problemlos möglich. Eventuell kann hier ein 3G Dongle bessere Performance bieten.

Akkulaufzeit:

Wie so oft ist die Akkulaufzeit völlig unterschiedlich und abhängig vom Benutzer und der Benutzung. Wer viele besonders aufwändige Spiele bei hoher Bildschirmhelligkeit spielt, wird keine zwei Stunden damit zurechtkommen. Ich selbst habe die Bildschirmhelligkeit weit runtergedreht, da ich sie immer noch akzeptabel finde. Nachdem ich 78 Minuten „GTA Vice City“ gespielt habe, stand der Akku bei 52 Prozent. Danach konnte ich noch 207 Minuten im Internet surfen und YouTube-Videos in HD anschauen. Der Akku war also bei diesem Beispiel nach 4 Stunden und 45 Minuten aufgebraucht. Das ist okay, wie ich finde. Wer nur surfen will, kann sich also auf rund sieben Stunden einstellen.

Anscheinend lässt sich das Tablet nur über den beigelegten Netzstecker laden, bei der USB-Verbindung konnte ich keine Aufladung feststellen.

Fazit:

Für den von mir gezahlten Preis von 120 Euro ist das JXD s7800b einfach nur bedenkenlos empfehlenswert. Das IPS-Display und die Stereo-Lautsprecher sind qualitativ gut gelungen, das Zusammenspiel mit diversen Emulatoren funktioniert reibungslos und mit dem direkt verbauten Gamepad hat man in vielen Spielen einfach die bessere Kontrolle. Die volle Punktzahl verpasst das Tablet lediglich durch die eher schwache Wi-Fi-Antenne und dem an den Rändern etwas störrischen Touchscreen. Für fortgeschrittene und preisbewusste Android-User mit Hang zu diversen Emulatoren also ein attraktives Gerät. Mit dem „NVIDIA Shield“ kann sich das Tablet natürlich nicht messen. Mit der direkten Konkurrenz, dem „Archos GamePad 2“ und dem „Wikipad 7“, kann es das s7800b natürlich problemlos aufnehmen.

Bewertung:

4 Sterne

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.