TechCheck, [Produkttest]

Crosley Cruiser Plattenspieler im Test: Guter Look, mäßiger Klang

Unter Plattenliebhabern und Hi-Fi-Freunden sind die Plattenspieler von Crosley seit vielen Jahren verpönt. Unterstellt wird immer wieder billigste Verarbeitung und miserabler Klang. Obendrein sollen gerade Turntables des unteren Preissegments Schallplatten auf lange Sicht unwiderruflich „zerstören“. Weder bin ich Plattenexperte, noch hege ich Vorurteile. Mir gefiel das Design, der Preis und die beworbenen Features. Schauen wir uns das Gerät also genauer an.

Lieferumfang:

– Plattenspieler
– Gummimatte
– zwei Stromkabel (Europa und USA)
– Adapter für 45er Platten (Singles)
– Bedienungsanleitung

Die Gummimatte wird auf den Plattenteller aufgelegt, um die Unterseite der Schallplatte zu schützen.

Pro:

In erster Linie überzeugt der Plattenspieler einfach durch seinen charmanten und stylischen Look. Da gibt es keinen Grund zu meckern, er sieht einfach fabelhaft aus. Die Lederoptik außen wirkt nicht billig und innen ist der Kofferdeckel bei dem schwarzen Cruiser mit schönem, roten Stoff ausgekleidet. Den Lautstärkeregler zu drehen, während ein sattes Klicken und das Aufleuchten der Power-Lampe die Betriebsbereitschaft des Plattenspielers offenbart, ist einfach ein cooles Gefühl. Optisch ist das Gerät also eine Wucht und ein absoluter Blickfang. Viele fühlen sich an die Kofferplattenspieler ihrer Kindheit erinnert, genau diese nostalgischen Gefühle sind es wohl, die sich Crosley zunutze macht und damit zum Beispiel auf dem amerikanischen Markt einen beachtlichen Gewinn generiert. In nahezu jedem Kaufhaus kann man einen Crosley kaufen.

Der Klang ist auch alles andere als schlecht, jedenfalls, wenn man den Cruiser an seinen Receiver anschließt und über zwei hochwertige Stereo-Boxen betreibt. Für mich viel besser, als ich erwartet hatte. Vorher hatte ich den Karcher KA 8050, dessen Klang sehr viel dünner und lebloser rüberkam. Da der Croslesy einen eingebauten Vorverstärker besitzt, braucht es keinen Phonoeingang am Receiver oder der Stereoanlage. Damit braucht man also auch keinen seperaten Phonoverstärker kaufen, den man dazwischen klemmen müsste.

Der „Crosley Cruiser“ verfügt darüber hinaus über eine Funktion, die das Abspielen automatisch stoppt, wenn das Ende der Platte erreicht ist. Dieses Feature kann auch abgeschaltet werden. Durch den Absenkhebel kann die Nadel sanft auf die Schallplatte geführt werden. Wem das nicht gefällt, der kann die Nadel auch einfach selbst auflegen. Zwar fehlt die notwendige Nadel, um 78er Schellackplatten abzuspielen, aber immerhin ist die Option gegeben.

Die Drehgeschwindigkeit von 33ern und 45ern lässt sich mit einem kleinen Schraubenzieher regeln. Dazu muss man allerdings das Gerät aufschrauben und wissen, wo man justieren muss. Für mich war das kein Problem. Wer nicht ganz so technikversiert ist, sollte Freunde oder Bekannte fragen. Immerhin ist die Möglichkeit gegeben, als Normalsterblicher die Geschwindigkeit mit einfachstem Werkzeug selbst justieren zu können. Ein Einschicken ist also nicht unbedingt notwendig, Da der „Cruiser“ dazu neigt, in der Abspielgeschwindigkeit nach einer Zeit nachzulassen, ist eine gelegentliche Justage allerdings absolut notwendig.

Neutral:

So hübsch der Look des Plattenspielers auch ist, hier und da gibt es kleinere Makel zu beobachten. Bei meinem Spieler war z. B. ein Schraubloch falsch angebohrt und dann einfach mit schwarzem Edding übermalt worden. Kleinere Kratzer hatte die MDF-Platte auch zu bieten und das verarbeitete Plastik am Tonarm, Plattenteller und den Hebeln wirkt wirklich billig.

Die eingebauten Lautsprecher sind „nice to have“, aber tontechnisch wirklich minderwertig. Der Ton ist schrill, dünn und hat so gar keine Bässe zu bieten. Die Lautsprecher widersprechen dem ganzen audiophilen Ansatz, dem man Vinyl oft zuspricht. Allerdings sind wir dahingehend sowieso in der falschen Preisklasse. Der Ton an hochwertigen Lautsprechern ist gut genug, die integrierten Lautsprecher sind mies – ganz einfach.

Auch die Idee des portablen Plattenspielers ist eher nicht durchdacht worden. Klar, man kann ihn bequem von A nach B transportieren, aber am Strand oder im Park eine Schallplatte hören, ist ausgeschlossen, da man immer eine Steckdose in der Nähe haben muss. Der „Crosley Cruiser II“ hat dieses Problem behoben und die Möglichkeit zum Betrieb über Batterien eingebaut.

Contra:

Wenn es um die negativen Aspekte geht, lässt sich Crosley leider nicht lumpen. So eiert der billige und winzige Plattenteller fürchterlich. Dies führt zu Unwuchten bei der Wiedergabe, was Tonaussetzer, Sprünge und ähnliche Probleme begünstigen kann. Durch die wabbelige Gummimatte und die drei gummierten Abstandshalter auf dem Plattenteller an sich, wird das Eiern der Schallplatten nur noch verstärkt. Es sieht einfach furchtbar aus und man hört es teilweise raus. Auch leiern die Schallplatten dadurch hin und wieder. Leiern ist auch das Stichwort, denn die Abspielgeschwindigkeiten sind von Anfang an alles andere als perfekt eingestellt. Ich habe das selbst mit einer Stroboskop scheibe überprüft. Ohne Feinjustierung können Platten also gerne zu schnell oder zu langsam abgespielt werden. Hier muss man das Gerät selbst öffnen und nachkorrigieren.

Das Gewicht des Tonabnehmers, der mit um die 5 Gramm wirklich ziemlich schwer auf den Platten liegt, ist nicht zu verändern. Ein justierbares Gegengewicht gibt es nicht, hat in der Preisklasse ohnehin Seltenheitswert. Das ist per se nicht schlimm, nur sollte man meinen, dass bei dem großen Auflagegewicht wenigstens die Wiedergabe problemlos sein sollte. Weit gefehlt. Bei mir gab es mehr als eine Platte, bei der der Tonarm einfach mal gerne ein paar Sekunden übersprungen hat. Ein 2 Cent Stück oder einen Knopf auf die Oberseite des Tonabnehmers geklebt, kann man mit Gewalt dafür sorgen, dass die Nadel nicht aus den Rillen springt. Damit hat man das Auflagegewicht des Tonabnehmers mal eben auf über 7 Gramm gebracht und das ist laut Experten auf Dauer für jede Schallplatte schädlich. Darum werden die Crosley-Plattenspieler auch gerne als „Plattenfräse“ bezeichnet. Ich möchte allerdings betonen, dass es auch genug „Experten“ gibt, die schon ein Auflagegewicht von 3 Gramm verurteilen und behaupten, man würde damit seine Platten zerstören, während andere wiederum meinen, das seie völlig okay. Gerade im Hi-Fi-Bereich sollte man nicht unbedingt alles glauben und sich seine eigene Meinung bilden.

Der Kopfhörerausgang hatte bei mir gleich eine Macke. So war im Hintergrund ein deutliches Rauschen und „Static Noise“ wahrzunehmen. Übrigens auch über die internen Lautsprecher, sogar dann, wenn die Lautstärke auf Null stand. Abgerundet wird die Negativerfahrung durch die (für meinen Geschmack) zu lauten Eigengeräusche des Tonabnehmers. Ein Plattenspieler gibt ja auch ohne angeschlossene Lautsprecher leise Musik wieder. Der Tonabnehmer fungiert dann quasi als winziger Lautsprecher. Hier ist das für meinen Geschmack einfach zu laut ausgefallen. Bei Singles ist das kein Problem, weil man den Koffer zuklappen kann, aber aufgrund der Designentscheidung ist das mit 33ern ausgeschlossen. Die Laufgeräusche des Riemenmotors an sich ind in Ordnung, allerdings alles andere als ruhig.

Fazit:

Stylischer Plattenspieler, der leider gerade bei der Wiedergabe schwächelt. Der Ton leiert, der Tonteller eiert und die Laufgeschwindigkeiten müssen auch mal manuell korrigiert werden. Schade um die tolle Idee und den großartigen Look. In meinen Augen dennoch nicht die große Katastrophe, die manche Leute daraus machen. Man sollte das Ganze immer in Relation zum Preis bewerten. Eine irreparable Beschädigung der Platten konnte ich nach den paar Durchgängen nicht feststellen und ich bezweifle, dass diese außerhalb der oberen Hi-Fi-Geräteklasse überhaupt wahrnehmbar ist. Dennoch ist der „Cruiser“ natürlich einfach kein guter Plattenspieler und sollte von jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen will, gemieden werden. Wer keine großen Ansprüche hegt, der findet in diesem Turntable ein Gerät, das man durchaus als „okay“ bezeichnen könnte.

Bewertung: 3/5

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