TechCheck, [Produkttest]

PlayStation 4 Pro im TechCheck: Starke Konsole mit Multimedia-Macken

Eigentlich wollte ich die aktuelle Konsolengeneration auslassen, da für mich zu wenige interessante Exklusivtitel im Angebot sind. Weil 2018 aber „Red Dead Redemption 2“ erscheint, die Fortsetzung zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele, kam ich um die Anschaffung einer Konsole nicht herum. Durch einen Stromanbieterwechsel konnte ich die PS4 Pro nun gratis bekommen und möchte in diesen Zeilen klären, was dieser Kasten kann und was er nicht auf dem Kasten hat.

**Ersteindruck & Verarbeitung**

Zunächst ist mir der etwas dünne Umkarton der Konsole aufgefallen. Irgendwie wirkt das alles andere als Premium. Die alte PS4 hatte da einen schönen, aufklappbaren Hartkarton zu bieten. Aber das ist im Grunde ja nicht entscheidend. Im Karton schlummert neben der Konsole noch ein DualShock 4 Controller, ein HDMI Kabel (4K fähig), ein Micro USB Kabel zum Aufladen des Controllers, ein Kaltgerätekabel sowie ein sehr einfaches Mono Headset. Letzteres wirkt wirklich alles andere als „Pro“, hier sollte man wirklich etwas vernünftiges nachkaufen. Ansonsten liegen noch die üblichen Schnellanleitungen & Werbeflyer im Karton.

Bei der Konsole selbst fällt das matte, dreigliedrige Design angenehm auf. Ich fand den Look der PS4 immer recht stylisch und auch die Pro macht eine gute Figur, wenn mir auch die visuelle Komponente der ersten PS4 (Kontrast aus matt & Pianolack) noch einen Zacken besser gefällt. Optische Akzente wie das spiegelnde PS-Logo oder die Gummifüße im Design der PlayStation-Tasten machen aber eine gute Figur. Wo ich mit dem Äußeren der Pro zufrieden bin, ernüchtert mich die Verarbeitungsqualität doch etwas. Für ein Premiumprodukt wirkt das ganze sehr einfach gehalten und nicht sehr hochwertig. Vor allem der Ein-/Ausschalter und der Auswurfbutton für die Discs sind sehr kümmerlich und muten irgendwie lieblos an. Außerdem ist es bei dunklen Lichtverhältnissen schwieriger die Knöpfe zu treffen, da sie sehr schmal sind. Die Touchbuttons der alten PS4 wirken da deutlich hochwertiger. Auch ist bei mir die LED-Leiste minimal schief ins Gehäuse eingebettet, was ein wenig die Ästhetik vermiest. Ansonsten ist die Verarbeitung schon in Ordnung und stabil. Nur von einem solchen „Pro“dukt (Mörderwortspiel!) erwarte ich doch eine etwas hochwertigere Verarbeitung. Wer möchte, kann die Konsole übrigens auch hochkant betreiben. Hier sollte man der Stabilität zuliebe aber mit einen stabilen Ständer nachrüsten, denn besonders viel Kraft braucht es nicht um die Konsole umzuwerfen.

Wo die Konsole schwächelt, fällt der Controller ausgezeichnet auf. Der DualShock 4 liegt sehr gut in der Hand, wurde etwas verbreitert, um das Touchfeld unterzubringen und die Griffe wurden verlängert, sodass auch Menschen mit größeren Händen ein griffigeres Spielegefühl bekommen. Das Gamepad macht auf jeden Fall einen sehr wertigen Eindruck und gefällt mir ausgesprochen gut. Die Analogsticks sind nun nicht mehr nach außen, sondern etwas nach innen gewölbt. Allerdings befindet sich in der Wölbung selbst eine kleine Anhebung, sodass der Daumen nicht völlig reinpasst. Da kann es bei mir in hektischen Spielszenen schonmal vorkommen, dass meine Daumen von den Sticks rutschen. Ist aber nicht weiter wild.

Ansonsten fällt positiv auf, dass die PS4 Pro nun wieder über einen optischen Audioausgang verfügt. Dieser wurde bei dem Slim Modell eingespart. Darüber hinaus wartet die Rückseite noch mit einem zusätzlichen USB Anschluss auf, womit die PS4 jetzt über drei Stück verfügt. Wer an PS VR Interesse hat, hat diese Anschlüsse auch bitter nötig.

**Technik & Performance**

In Betrieb habe ich die Konsole an meinem 55 Zoll LG 55UH615V UHD TV.

Kleiner Disclaimer vorab: ich bin zwar größtenteils passionierter PC-Spieler und 60 Bilder die Sekunde gewohnt, allerdings bin ich bei dieser Konsole realistisch und nicht sonderlich anspruchsvoll.

Eines der großen Verkaufsargumente der PS4 Pro ist die 4K Unterstützung. Viele Spiele, die für die Pro optimiert sind, laufen in Auflösungen bis 4K. Dazu muss man sagen, dass die PS4 Pro die Spiele nicht nativ in 4K rendert, sondern im sogenannten Checkerboard-Verfahren quasi interpoliert. Mich juckt das ehrlich gesagt nicht die Bohne, da sich das Angebotene oftmals trotzdem sehen lassen kann. Ein „Horizon: Zero Dawn“ z. B. sieht in 4K und HDR einfach nur umwerfend aus. Wo wir beim Thema sind: die Konsole unterstützt wie die PS4 High Dynamic Range, also einen Bildmodus, der bessere Kontraste und natürlichere Farben und Details ermöglicht. Hier fallen mir vor allem die besseren Schwarzwerte am LCD TV auf, allerdings sollte man seinen Fernseher entsprechend feinjustieren, denn HDR neigt zu einem recht dunklen Bild. Aber zurück zur Konsole selbst. Manche Spiele, wie aktuell „Assassin’s Creed: Origins“ laufen in einer schwankenden, dynamischen Auflösung. Dieser Bereich kann je nach Spiel zwischen 1080p, 1440p und 4K liegen. Diese Entscheidung wird von Entwicklern bei Bedarf getroffen, um eine angepeilte Bildrate (30 oder 60 Bilder die Sekunde) stabiler halten zu können. Wo wir bei Bildraten sind, muss ich anmerken, dass 30 FPS auch flüssig wirken können. „Horizon: Zero Dawn“ hat mich jedenfalls überzeugt, da die Bewegungen der Kamera butterweich wirken, was ich so bei 30 Bildern noch nie wahrgenommen habe. Ausgezeichnet! Kommt natürlich auf das Spiel an.

Ein weiteres Feature der Pro ist der sogenannte Boostmode, von dem vor allem Spiele profitieren, die nicht für die PS4 Pro optimiert sind. Hier läuft die Konsole mit den Übertaktungen und höheren Werten von CPU, GPU und RAM, sodass ältere Spiele davon durch höhere Bildraten profitieren können. Ein „Assassin’s Creed: Unity“ beispielsweise läuft nun deutlich flüssiger und schafft es besser, die 30FPS Marke zu halten. Es lohnt sich also in jedem Fall mit dem Boostmodus bei PS4 Titeln vor der Pro zu experimentieren.

Was mir ausgezeichnet gefällt, ist die Möglichkeit, in manchen Titeln verschiedene Grafiksettings wählen zu können. Das liegt mir als PC Spieler einfach im Blut. So kann ich in „Infamous: Second Son“ z. B. zwischen einer höheren Bildrate und besseren Effekten, oder einer höheren Auflösung wählen. Das ist absolut vorbildlich und kommt am Ende sowohl 4K Spielern zugute, als auch den Zockern, die sich nicht von ihrem Full HD Gerät trennen wollen. Die Grafikpracht des Geräts fordert natürlich ihren Tribut und das in Form der Lüfterlautstärke. Zwar hatte ich deutlich schlimmeres erwartet, allerdings dreht die Konsole doch merklich auf, sobald Spiele in 4k und HDR ausgegeben werden. Hier sei ein gutes Headset angeraten oder man muss den TV lauter aufdrehen.

**Betrieb & Bedienung**

Besonders positiv ist mir die Implementierung des DualShock 4 in Spielen aufgefallen. So machen bestimmte Games doch regen Gebrauch des Touchpads, der Bewegungssensoren und sogar vom eingebauten Lautsprecher. Wenn ich in „Infamous: Second Son“ die Spraydose auspacke, dazu den Controller seitwärts halte, schütteln muss und der integrierte Lautsprecher das satte Klackern der Kugel in der Dose vermittelt, dann komme ich aus dem Grinsen nicht mehr raus. Das sind genau die Innovationen in der Spielsteuerung, die mir auf dem PC manchmal fehlen. Dazu wird das Touchpad des Controllers nun vermehrt verwendet, um die für manche Spieler nervigen Quick Time Events abzuschwächen. Wo man in einem der früheren Spiele z. B. auf X hämmern müsste, um eine Tür aufzubrechen, reicht es hier teilweise einfach über das Touchpad zu wischen. Das ist Geschmackssache. Mir ist es zeitweise sogar zu wenig Arbeit.

Das Betriebssystem der PS4 Pro arbeitet in der Regel zügig, bietet auch die Möglichkeit, Programme im Hintergrund zu schließen, um eine stabilere Bedienung zu gewährleisten. Das Design finde ich im allgemeinen recht schick, störe mich aber an der wahllosen Anordung der Programme und Spiele. Hier kann man zwar mit Ordnern für mehr Übersicht sorgen, aber es lassen sich nicht alle Icons in selbige verschieben. Ganz selten startet die Konsole auch mal neu, wenn der Browser sich aufgehangen hat oder die Pro anscheinend leistungstechnisch überfordert ist. Wie erwähnt ist das aber nur ganz selten und niemals im Spielbetrieb aufgetreten.

Richtig stark finde ich die schnelle Aufzeichnung von Spielszenen mit quasi einem Knopfdruck (bzw. zwei) auf den Sharebutton, anschließender Bearbeitung und Uploadfunktion bei YouTube. Bequemer geht es nicht mehr. Auf diesem Wege können auch Screenshots angefertigt werden.

Weniger Gefallen finde ich an dem verschenkten Potential des Controllers im Einsatz außerhalb des Spielbetriebs. Das Ding hat ein Touchpad, das an allen Stellen gedrückt werden kann. Dennoch muss man den Internet Browser mit den Analogsticks bedienen. Absolut unbegreiflich. Hier hätte man wunderbar und schnell eine Maus simulieren können, inklusive Links- und Rechtsklick. Bis Heute wurde das bei der PS4 nicht nachgereicht. Die LED Leisten am Controller selbst lassen sich leider auch nicht deaktivieren, sondern lediglich dimmen. Hier könnte man locker mehr Akkulaufzeit rauskitzeln, wenn Sony nicht so stur wäre. Ebenfalls ist mir der PS Store negativ aufgefallen, in dessen App man im Jahr 2017 nichtmal eine Wunschliste anlegen kann…

Nun möchte ich mich noch zu PS Plus äußern und da fällt mein Statement relativ kurz aus: Online spielen sollte kein zusätzliches Geld kosten. Punkt. Manche Spiele sind komplett auf Onlinepartien ausgelegt und sind richtig teuer. Trotzdem soll man noch für den Onlinepart bezahlen, obwohl der absolut notwenig ist, um manche Spiele überhaupt nutzen zu können. Hier haben leider zu viele Menschen diese unnötige Gängelung hingenommen. Eine traurige Entwicklung.

**Abwärtskompatibilität**

Um es kurz zu machen: die PS4 Pro ist nicht abwärtskompatibel. Es gibt natürlich einige Remasterversionen von PS3 Spielen („The Last of Us“ oder „L.A. Noire) oder Umsetzungen von PS2 Klassikern („GTA – The Trilogy“, „Red Dead Revolver“), aber man kann nicht einfach eine alte Scheibe reinlegen und dann loslegen. Hat man ein Spiel bereits in der Vergangenheit physisch gekauft, muss man auch hier ein zweites Mal blechen. Ziemlich dreist. Natürlich muss man fairerweise sagen, dass es auch ganz ausgezeichnete Remakes von Spielen gibt wie „Ratchet & Clank“, das zeitweise Hollywood Niveau in der Animation erreicht. Trotzdem ist es enttäuschend, dass Sony damals vor Release der PS4 so viele Falschinformationen zur Abwärtskompatibilität kommuniziert hat.

**Multimedia**

Kommen wir nun zum letzten Teil der Rezension und der Achillesferse der Konsole, nämlich dem Multimediaeinsatz. Dieser ist schwach, wirklich schwach. Man kann Video Blu-rays und DVDs abspielen, allerdings funktionieren bei mir nur 50% aller DVDs. Daten-CDs und DVDs, auf denen sich Bilder, Videodateien und sonstige Medien befinden, werden gleich gar nicht gelesen. Die PS3 konnte das. Externe Festplatten und USB Sticks werden nicht im zeitgenössischen Format (NTFS) gelesen, sondern müssen auf FAT32 umgeschrieben werden. Das ist besonders dann blöd, weil man beim Formatieren alle Dateien auf der Festplatte löschen müsste. Also auch hier fällt die PS4 Pro durch. Musikalisch kann die PS4 MP3s mittlerweile wenigstens per Media Player über Festplatte oder USB Stick lesen. Meine CD-Sammlung hingegen ist der PS4 gänzlich egal, dieses Format kennt die Konsole einfach überhaupt nicht. Auch das beherrschte der Vorgänger problemlos. Zur Info: ein CD Laufwerk kostet quasi nichts in der Herstellung heutzutage. Schön, dass ich Spotifiy nutzen kann, blöd nur, dass das riesige Kacheldesign unübersichtlich und völlig langsam reagiert.

Wo Sony mit der Playstation 3 Vorreiter der Blu-ray Technik war, hat man derartige Innovationen bei der PS4 versäumt. Selbst bei der Pro-Version hat man es nicht geschafft, ein UHD Laufwerk zu verbauen. Diesen Schritt ist Microsoft bereits mit der XBox One S gegangen und hat damit Sony überholt. Das war in der letzten Generation noch anders, als die XBox auf DVDs setzte während Sony das Blu-ray Format durchboxte. Nun kann man sagen, dass UHD Blu-rays ohnehin zu teuer oder uninteressant sind, allerdings it das ganz klar Geschmackssache. Es wäre schön gewesen, bei der 4K Konsole auch ein 4K Laufwerk zu bekommen.

Die PS4 Pro setzt eigentlich beim Medieneinsatz gänzlich auf Streaming. So gibt es natürlich Apps für Netflix, Sky und Amazon Prime Video. 4K Inhalte können auch problemlos übertragen werden. Immerhin hier weiß die Konsole zu gefallen.

**Fazit**

Letztendlich ist die PS4 Pro eine hervorragende Spielekonsole, die ihren Fokus auf wunderschöne Spiele und eine gute Konsolenperformance legt. Beim Multimediaeinsatz gibt sie sich mit wenig zufrieden, hier ist man bei einer XBox One sicherlich deutlich besser bedient. Nichtsdestotrotz bietet die Konsole ein großartiges, dynamisches 4K Erlebnis, einen überzeugenden Controller und eben mehr Power als sein Vorgänger. Wer einen UHD bzw. 4K TV hat und noch keine PS4 besitzt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Ein Upgrade von der normalen Konsole lohnt sich aber nur bedingt, da die Performance- und Grafikverbesserungen variieren und selten wirklich groß ausfallen.

Bewertung:

4 Sterne

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