SerienCheck, [Artikel], [Serien-Review]

„Philip K. Dick’s Electric Dreams“ SerienCheck zur 1. Staffel

(Gesichtet auf Amazon Prime)

Philip K. Dick’s Schaffen bot seit Jahrzehnten Futter für allerlei Sci-Fi-Filme wie „Blade Runner“ oder „Total Recall“. Mit dieser Serie werden seine eher weniger beleuchteten Kurzgeschichten ins Rampenlicht gerückt. Dabei werden alle vertrauten Themen (Menschlichkeit, Träume, K.I., Überwachung, Identität etc.) aufgegriffen und mit entsprechenden Twists serviert. Logischerweise werden sich Freiheiten genommen, um der Serie mehr Aktualität zu verleihen, das Konzept auf das audiovisuelle Medium zu übertragen und damit auch Kennern Überraschungen zu servieren.

Mich stört es nicht, vielmehr freut mich die Aufmerksamkeit, die dieser Autor nun wieder bekommt. Das Intro erinnert an klassische Shows à la „Twilight Zone“ oder „The Outer Limits“ und spielt mit allerlei bekannten Motiven von Dick. Die Serie selbst ist sehr subtil angelegt und bietet selten großes Effektkino. Wenn das der Fall ist, reicht die Qualität nicht ganz an HBO Standards heran, ist aber immer noch sehr ordentlich. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Serie für den englischen Fernsehsender „Channel 4“ produziert wurde. Das Budget dürfte spürbar unter dem liegen, was Netflix, HBO und co. für ihre großen Zugpferde investieren. Das erste Experiment ist hier produktionstechnisch aber geglückt.

Der Schwerpunkt, der auf Sci-Fi gelegt wird, variiert auch und größtenteils wird hier meist Drama geboten. Hochspannung wird selten erzeugt, eher ist es Faszination an den Themen, die die Serie auszeichnet. Vor allem in Zeiten der Digitalisierung sowie der Frage, wie weit der technische Fortschritt zu Lasten der Menschlichkeit geht, sind solche Sendungen nicht nur Unterhaltung sondern auch ein guter Denkanstoß. Dank genug Starpower (Bryan Cranston, Steve Buscemi, Juno Temple etc.) und den sehr abwechslungsreich gehaltenen Episoden kommt auch nie Langeweile auf. Man sollte allerdings keine temporeiche Erzählweise erwarten. Hier geht es durchgehend um das Interesse an den Figuren und der Geschichte. Wenige Episoden fallen erzählerisch etwas ab („Crazy Diamond“), aber der Großteil ist ausgezeichnet ausgefallen. Meine Highlights sind „Der Haubenmacher“, „Das Vater-Ding“ und „Der unmögliche Planet“. Hier habe ich für die Figuren empfunden, war von der Inszenierung begeistert und auch die Atmosphäre stimmte einfach.

Die Vergleiche, die zu „Black Mirror“ gezogen werden, sind nicht von der Hand zu weisen. Beides Sci-Fi und dazu noch in abgeschlossenen Geschichten erzählt. Allerdings kann man auch einfach mit beiden Serien gute Unterhaltung bekommen, da die Schwerpunkte völlig anders liegen. Die Figuren hier sind kälter, distanzierter gezeichnet, da die Welten, in denen sie leben, sie so geformt hat. Eine gewisse Wärme kommt trotzdem immer wieder durch. In „Black Mirror“ wird eine größere Menschlichkeit bei den Figuren beibehalten, die sympathischer und zugänglicher wirkt. In meinen Augen arbeitet „Black Mirror“ oftmals mit dem Holzhammer, stellt konkrete Fragen, diese Serie allerdings überlässt dem Zuschauer selbst die moralische und philosophische Bewertung. Darüber hinaus fehlt es „Black Mirror“ im Vergleich etwas an Starpower. Was einem eher liegt, ist absolute Geschmackssache. Ich kann mich mit beidem gut arrangieren und verstehe daher nicht, wie man „Electric Dreams“ abstrafen kann.

Ich möchte allerdings noch anmerken, dass Amazon die Serie völlig durcheinandergewürfelt hat. Die korrekte Reihenfolge ist anders konzipiert und kann schnell Online gefunden werden. So ist „Das Vater-Ding“ die letzte Folge der Staffel, die nicht nur musikalisch einmalig die Titelmelodie aufgreift, sondern mit ihrem Ende auch in Richtung Cliffhanger und Appetizer für die nächste Staffel geht. Hier wird Aufbruchsstimmung erzeugt, während „Tötet Alle Anderen!“ doch eher deprimiert und man Politik im Kopf behält. Wer Wert auf einen gewisse dramaturgischen und stimmungsvollen Aufbau legt, sollte die Serie daher in der richtigen Reihenfolge schauen. Eigentlich fängt alles mit dem „Haubenmacher“ an. Natürlich sind die Folgen aufgrund des Anthology Konzepts autonom, allerdings ist es unverständlich, wieso die Reihenfolge hier auf den Kopf gestellt wurde.

Fazit:

„Philip K. Dick’s Electric Dreams“ ist eine ausgezeichnete Serie, die nur wenige Füller bietet und neben dem illustren Cast auch mit intelligenter und anspruchsvoller Sci-Fi unterhält. Wer Tempo oder große Spannung erwartet, könnte allerdings etwas enttäuscht werden. Letztendlich bleibt zu hoffen, dass eine nächste Staffel in Produktion geht, denn dieser Sci-Fi Happen schmeckt nicht nur, sondern macht auch Appetit auf mehr.

Bewertung: 4/5

—-

Hier die korrekte Reihenfolge:

1 Der Haubenmacher
2 Der unmögliche Planet
3 Der Pendler
4 Crazy Diamond
5 Das wahre Leben
6 Menschlich ist …
7 Tötet Alle Anderen!
8 Autofac
9 Fosters neue Welt
10 Das Vater-Ding

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5 Gedanken zu „„Philip K. Dick’s Electric Dreams“ SerienCheck zur 1. Staffel“

    1. Danke für den allerersten Kommentar hier auf der Seite. Ich kann die Serie einfach nur wärmstens empfehlen, wie Sie sicher gemerkt haben. Bei Amazon Prime kann man sie aktuell umsonst schauen. Beste Grüße

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      1. Ich habe auch Prime :)
        Gern geschehen mit dem ersten Kommentar :) Wird sicherlich nicht der letzte Kommentar gewesen sein, da du über Serien und Filme posten möchtest :)

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